PR-Redakteur/-in: Wir übernehmen die Erzählung der großen Linien

Rund 800.000 Menschen folgen der Bundeskanzlerin aktuell auf Instagram. Immerhin 1000 schauen sich ihren wöchentlichen Podcast an. Dahinter steht ein beachtliches Team von Mitarbeitern des Bundespresseamtes, die für die gesamte Bundesregierung die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Zusätzlich versorgt das Amt die Mitarbeiter der Regierung ununterbrochen mit Nachrichten aus aller Welt. Der studierte Jurist Klaus Feldgen kam vor rund 18 Jahren als Redakteur dazu. Heute ist er in der Abteilung Soziale Medien im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung tätig. 

von Kai Gies

Sie haben früher als Journalist unter anderem bei der ZEIT und beim WDR gearbeitet. Wie kamen Sie von dort zum Bundespresseamt?

Für den Kölner-Stadt-Anzeiger und den WDR habe ich als Student gearbeitet, später nach einer Hospitanz dort auch für die ZEIT. Ich habe schon während meines Zivildienstes angefangen, für die Lokalseiten zu schreiben. Jura habe ich eigentlich mit dem Ziel studiert, Journalist zu werden. Als ich nach dem Studium zunächst als Rechtsanwalt und Journalist arbeitete, las ich eine Anzeige im Stellenmarkt der ZEIT, dass das Bundespresseamt Juristen mit medialem Hintergrund suchte. Da dachte ich: Mensch, die suchen ja einen wie dich.

Und wie würden Sie Ihre Tätigkeit charakterisieren? Ist das aus Ihrer Sicht PR oder nur Information, die Sie verbreiten?

Das Wort PR hat immer so einen negativen Unterton. Aber wenn man es wörtlich übersetzt, die Beziehungen zur Öffentlichkeit, dann kann man das da sicher einordnen. Lieber sprechen wir von Information über die Politik der Bundesregierung. Es heißt ja schließlich auch Presse- und Informationsamt. Wir arbeiten redaktionell, eben nur mit einer anderen Zielrichtung als Journalisten.

Ist es die Regel, dass man zuvor als Journalist gearbeitet haben muss oder gibt es noch andere Wege, die hierherführen?

Längst nicht alle, die im Bundespresseamt arbeiten, sind vorher Journalisten gewesen. Es werden aber zusehends mehr, weil die Informationsangebote im Netz und in den Sozialen Medien journalistische Fähigkeiten erfordern. Bei uns arbeiten aber auch eine ganze Reihe Juristen und Politikwissenschaftler. Auch Exoten gibt es. (...) Allerdings achtet das Amt bei der Personalgewinnung darauf, dass die Neuen mindestens einen medialen Hintergrund haben. Sie sollten schließlich verstehen, wie die Presse „tickt“.

Vermissen Sie manchmal die Freiheit, die Sie damals als Journalist hatten, auch Ihre eigenen Ansichten zu einem Thema zu veröffentlichen?

Manchmal denkt man sich schon: Ja, wenn man das jetzt mal umfassender von verschiedenen Seiten beleuchten könnte! Nicht unbedingt nur kritisch, sondern auch um Aspekte aufzugreifen, die interessant sind, aber nicht unbedingt zur Information über die Politik gehören. Andererseits ist die Öffentlichkeitsarbeit für ein wichtiges und sinnvolles „Produkt“ – und als ein solches betrachte ich eine demokratisch gewählte Regierung – ebenfalls eine befriedigende Arbeit.

Teil Ihrer Aufgabe ist es, die Politik der Bundesregierung in einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Wie machen Sie das in der Praxis?

(...) Das Bundespresseamt übernimmt bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eine Koordinierungsfunktion und informiert über die Kernthemen der Regierung, idealerweise gemeinsam mit den Ressorts. Dabei agieren die Ministerien sehr selbstbewusst. Insbesondere in einer Koalitionsregierung stehen die Häuser auch schon mal im Wettbewerb miteinander. Als Bundespresseamt übernehmen wir dann die Erzählung der großen Linien. Orientierung gibt dabei zum Beispiel der Koalitionsvertrag, den die derzeit drei Partner vereinbart haben. Wir versuchen, diese Politik anhand von Gesetzen und Initiativen der Bundesregierung so verständlich und konkret wie möglich zu kommunizieren.

Welche Teilbereiche gibt es in Ihrer Abteilung „Soziale Medien“? Wer ist für was zuständig, für welchen Account?

Wir betreiben im Wesentlichen drei Social-Media-Kanäle. Der erste, der älteste, ist der Twitteraccount des Regierungssprechers. Den bespielt Steffen Seibert als Regierungssprecher selbst, tatkräftig unterstützt von unseren Chefs vom Dienst. Die Facebook-Seite mit dem Absender Bundesregierung ist gewissermaßen unser Flaggschiff in den Sozialen Medien. Seit wir auf Facebook aktiv sind, arbeiten wir verstärkt mit Grafiken und Videos. Die kommen teilweise auch im Twitterkanal des Regierungssprechers zum Einsatz, allerdings sorgfältig ausgesucht und unter der Voraussetzung, dass die Nachricht (...) zur Kommunikationskultur auf Twitter [passt]. Und dann haben wir noch den Instagram-Account der Kanzlerin. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass dort natürlich nicht die Frau Merkel sitzt und ihre Bilder hochlädt, sondern dahinter steht die Redaktion.(...)

Wie sieht denn ein typischer Tagesablauf für Sie aus?

Morgens um zehn Uhr kommen wir zusammen, nachdem jeder die Nachrichtenlage sondiert hat. Da besprechen wir gemeinsam, die Internetredaktion und die Redaktion Soziale Medien, was am Tag ansteht. Dabei geht es auch um Themen, die wir schon länger geplant und vorbereitet haben, die zum Beispiel Jahrestage betreffen oder längerfristige Projekte oder Kampagnen der Bundesregierung. Anschließend strömen wir sozusagen aus und machen „das Blatt“.

Sie haben in einem früheren Interview einmal gesagt, Sie verstünden sich als „Bürgertelefon der Bundesregierung“. Was meinen Sie damit?

Nun, diesen Vergleich ziehen wir gelegentlich, um deutlich zu machen, dass es sich um direkte Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern handelt. Tatsächlich sind wir inhaltlich anders aufgestellt als das eigentliche Bürgertelefon. Aufgrund der schriftlichen Kommunikation sind wir in der komfortableren Lage, unsere Antworten und Auskünfte recherchieren zu können. Das heißt: Wir antworten innerhalb kurzer Zeit und doch sorgfältig vorbereitet. Hinzu kommt die praktische Möglichkeit, vertiefende Informationsquellen zu verlinken. Der direkte Dialog hat dabei den Vorteil, gezielt auf Informationsbedarf eingehen und Details nachlegen zu können. Mitunter lassen sich Missverständnisse sofort aufklären.

Was war denn der politisch brisanteste Fall, an den Sie sich in Ihrer Zeit erinnern können?

Besonders schwierige und herausfordernde Kommunikationssituationen haben wir etwa nach Unglücken, Gewalttaten oder Anschlägen zu bewältigen. Dann ist die Erregung groß, viele Menschen sind in Sorge und man erwartet viel von uns in kurzer Zeit. Einige User erheben Vorwürfe, andere entwerfen abenteuerliche Szenarien über Verschwörungen und Ähnliches. Mit beidem müssen wir ebenso professionell umgehen wie mit den sachlichen Beiträgen und begründeten Ängsten.

Wie hat sich in diesem Zusammenhang durch das Aufkommen von Bots und Fake-News Ihre Arbeit verändert?

Wir denken, dass so viele Bots bei uns gar nicht kommunizieren. Wir wissen aber, dass sich deren Wirken mittelbar bei uns niederschlägt, wenn wir etwa von echten Usern mit Falschinformationen konfrontiert werden. Gemeinsam mit unseren Kollegen vom Medienmonitoring gehen wir auch schon mal der Frage nach: Welche Erzählung entsteht da, und über welche Kanäle breitet sie sich aus? In jüngster Zeit hatten wir etwa mit der in einschlägigen Kreisen kursierenden Mär zu kämpfen, Asylbewerber und Geflüchtete erhielten bei uns Weihnachtsgeld. Das ist natürlich Quatsch. Als diese Falschmeldung häufiger zu lesen war, haben wir mit einem Fakten-Check reagiert.(...)

Wo sehen Sie in Ihrem Bereich die größte Herausforderung auf das Bundespresseamt zukommen?

Ich glaube, die Herausforderung wird weiterhin darin bestehen, die verschiedenen Kanäle stärker zu vernetzen, sie „integriert zu bespielen“, wie es so schön heißt. Das bedeutet allerdings nicht nur, das klassische Internet mit den Sozialen Medien zu verknüpfen, sondern auch die analogen Kanäle intelligent und zielgruppenorientiert so eng wie möglich mit den digitalen zu verbinden.

 

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