Moderation ist mehr als nur Texte ablesen!

Egal, ob Beiträge im Radio oder Fernseh- und Talkshows, sie alle haben etwas gemeinsam: Sie haben einen oder mehrere Moderatoren, die sie vortragen bzw. zuvor texten. Der Beruf des Moderators ist heute viel mehr, als nur das pure Text ablesen. Sylvie Meis ist seit vielen Jahren schon in diesem Business tätig und ein bekannter Profi. Erfolgreich moderiert sie Formate im deutschen und niederländischen Fernsehen. In einem Interview verrät sie, vorauf es wirklich ankommt und gibt einen kleinen Blick hinter die Kulissen.

von Samantha Rettig

Wer ist für den Beruf der Moderatorin geeignet und was sollte man an Skills bereits mitbringen?

Bei dieser Frage fange ich mit meiner Antwort von hinten an. Zunächst also zu den fachlichen Skills, die man mitbringen sollte. Was der Zuschauer oder Gast oft nicht bemerkt (wenn es richtig läuft) ist, dass ein Event oder eine TV-Moderation immer im Grundsatz geskriptet ist, das heißt, dass aufgrund des Ablaufes eine genaue Folge der Programmpunkte penibel einstudiert sein muss. (...) Was ist also essentiell wichtig: LERNEN! Man muss sich Texte, Abläufe, Namen, Themen, Nummern und so vieles mehr einfach schnell und vor allem fehlerfrei merken können. Was aber auch ganz wichtig ist, gerade im Hinblick auf diesen Punkt, ist SPONTANITÄT. (…) Als Moderator musst du trotz des vorgegebenen Buches immer aufmerksam zuhören, auf die jeweilige Situation empathisch reagieren und unvorhergesehene Momente durch Witz, Charme und Vorbereitung überbrücken oder überspielen können. (...) Ein/-e Moderatorin muss in der Lage sein, die Aufmerksamkeit des Publikums auch noch nach längerer Moderation nicht zu verlieren und genau wissen, wo Höhen und Tiefen zu setzen sind.

Wer ist also für diesen Job geeignet? 

Man sollte keine Angst vor Kritik, Unaufmerksamkeit, Störungen, Gegenfragen, Unruhen etc. haben. Quasi unerschütterlich sein. Dann wird man zum einen durchgehend angeschaut. Auch davor darf man keine Angst haben. Wer gesehen wird, wird beurteilt! Positiv, wie negativ. Man muss exzentrisch genug sein, um sich dieser Herausforderung stellen zu wollen. Mental stark genug, von Fremden beurteilt und schlimmstenfalls kritisiert zu werden. Schlagfertig genug, um auf Unerwartetes zu reagieren. Man muss den „Raum“ für sich einnehmen, ohne anderen den Raum zu nehmen.

Wie sieht der typische Einstiegsweg in den Beruf aus? Wie hast du es gemacht, Ausbildung oder doch der Quereinstieg?

Ich bin absolute Quereinsteigerin. Ich durfte meinen Weg als Moderatorin zwar bereits in jungen Jahren beginnen, aber der geplante und gelernte Weg war ein ganz anderer. Ich habe Human Ressources studiert, habe darin aber nie meinen eigenen Weg gesehen. Ohne eine weitere Ausbildung für Show, TV, Moderation oder sonstiges, habe ich dann an Castings teilgenommen. So war mein Weg. (...) Der klassische Weg ist natürlich ein anderer. Ich wurde als sympathische, gut redende Person, die eine große Anzahl an Menschen zum Zuhören bewegen kann, gesehen und erkannt.(...) Selbstverständlich habe ich im Anschluss Trainings gemacht, mir Coaches gesucht etc., um die Herausforderungen so professionell wie irgend möglich umzusetzen. Aber ich glaube, für das Herz dieses Jobs, muss man geboren sein, den Feinschliff kann man erlernen. (...) Es geht um Talent, Ausstrahlung, Willen. Ein Studium als solches macht in meiner Wahrnehmung keinen Moderator.

Du bist schon seit vielen Jahren ein Medienprofi und weißt worauf es im Job ankommt. Wie gehst du mit Stresssituationen um?

Ich bete, atme, beruhige mich selbst durch Motivation. Es ist immer stressig. Stress lässt eine Person lernen besser werden. In diesem Job darf dich Stress nicht aus dem Konzept bringen, vermeiden lässt er sich aber selten. Vor mehreren Millionen Menschen zu moderieren und dadurch bewertet zu werden, ja, der emotionale Stress ist definitiv vorhanden und sollte nicht unterschätzt werden.

Was war dein persönliches Highlight als Moderatorin und was war dein worst-case, den du je hattest?

Ich darf seit Jahren große Live-Shows, Live-Events etc. moderieren, das ist mein absolutes Highlight. Bei solchen Live-Events kann alles passieren. Das Adrenalin ist enorm hoch, das pusht dich ungemein. Der worst-case, oh, den gab es oft. Ob das Studio gebrannt hat und es kein Zuschauer mitbekommen durfte, das gesamte Buch und der Ablauf komplett geändert wurde, während einer Show, oder man sich selber verletzt, aber es keine andere Wahl gibt, als weiter zu machen. 

Viele Moderatoren kommen kaum an lukrative Jobs, wie sieht die Auftragslage und die Arbeitsplatzsicherung aus? Ist der Job der Moderatorin auch ein Job für die "Zukunft"?

Man muss es wirklich wollen und nicht aufgeben. Die Frage ist, hat man einen so langen Atem? Ja, viele Menschen möchten Moderator sein, aber wenige bekommen die Möglichkeit für die große Bühne. Man soll seinen Träumen natürlich immer folgen, sollte aber trotzdem realistisch bleiben. Den Job für das Geld zu machen, ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz.

Gibt es Risiken und/oder Gefahren? 

Das größte Risiko ist, glaube ich, unter der Kritik als Mensch zu brechen. Niemand ist perfekt, macht Fehler, ist mal unsicher etc. Man wird in der Öffentlichkeit auf das strengste bewertet. Schließlich spielt man mit der kostenbaren Zeit der anwesenden Personen, die hier sicherlich nicht enttäuscht werden wollen.

Was genau sind die Schwierigkeiten bei einer Live-Moderation?

Unvorhergesehenes! Du musst dich von einer Sekunde auf die nächste im kompletten Ablauf umstellen können. Improvisation ist da ein großes Zauberwort. Und wie improvisiert man am besten: mit einer wirklich guten Vorbereitung! Auf das Publikum, mögliche Gäste, Historie des jeweiligen Events und so weiter. 

Was rätst du jungen Leuten, die diesen Berufsweg einschlagen wollen?

Wenn es euer Traum ist und ihr Talent und keine Angst habt, tut es und lasst euch nicht abschrecken. Ihr dürft nicht gleich nach dem ersten Nein aufgeben, sondern glaubt an euch und bleibt stark. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Du bist viel unterwegs und oft nicht zuhause, wie bekommst du Familie und Arbeit unter einen Hut?

Planung, Planung, Planung. Es steht und fällt mit perfekter Organisation. Ohne mein Team wäre das nicht so leicht.
Als Moderatorin bist du sehr vielseitig beschäftigt, doch gibt es auch eine gewisse ‚Routine‘?
Die Routine ist im Lernen. Die Texte und Abläufe immer wieder mit gewissen Ritualen und Lernhilfen wiederholen. Ansonsten ist wirklich jeder Moderations-Job anders.

Wie sieht ein typischer Ablauf eines Aufzeichnungs-/Moderations-Tages aus?

Aufstehen, Kaffee trinken, Sport, Duschen, Frühstücken, auf ins Studio, Fitting, Briefing, Hair & Make-up, ggf. eine Probe, Hair & Make-up, fresh-up, Text wiederholen, Briefing, Coaching, Beten, verkabeln, auf zur Show, den größt möglichen Spaß an der Arbeit haben, duschen, schlafen.

Würdest du sagen, dass du eine gesunde Work-Life-Balance hast? Wenn ja, wie wichtig ist dir das?

Das ist mir sehr wichtig und dafür schaffe ich auch Raum. Es gibt Hochphasen, darauf folgt dann eine kurze Auszeit zur Erholung. Wir planen das alles so, dass es für den Körper und Geist auch zu leisten ist. Der Druck ist schon gewaltig, da müssen kurze Auszeiten einfach sein.

 

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