Wie werde ich Filmproduzent?

Rechnen, organisieren, sprechen, koordinieren vermarkten. Das alles muss ein Filmproduzent können, am besten gleichzeitig sagt Filmproduzent Amir Hamz, einer der drei Köpfe der Firma Bon Voyage Films, welche er mit Fahri Yardim und Christian Springer aufgebaut hat. Filme wie “Der Nachtmahr” oder “Paradise” gehören zu dem Repertoire der Projekte.  Mit ihm sprach ich über die Herausforderungen des Jobs und die Charaktereigenschaften, die man dafür mitbringen muss.

von Patricia Neumann

Bitte bewerte auf einer Skala von 1 bis 10 Eigenschaften, die man als Filmproduzent braucht. Fangen wir an mit: Belastbarkeit. 

Eindeutig eine 10! Wenn du nicht belastbar bist, dann gehst du komplett unter. Du musst aus jeder Ecke Gegenwind aushalten können. Du hast mit Kreativen und mit Regisseuren zu tun, die alle ihr Ego, ihre Sorgen und Nöte mitbringen. Das ist bei Künstlern nicht gerade ein kleiner Faktor (lacht). Teilweise gibt es bei uns in der Branche auch wirklich verrückte Menschen, mit denen hast du dann auch zu tun. Darüber hinaus hast du mit Fernsehredaktionen, mit Leuten aus der Wirtschaft, die Verleih und Vertrieb verantworten und mit Filmförder-Anstalten zu tun. Die einen arbeiten mit dem Geld der GEZ, die anderen mit Steuer- und Kulturmitteln, andere wiederum mit eigenem privaten Geld. Kurzum: alle haben unterschiedliche Interessen und eigene Wünsche. Mit all diesen Menschen musst du irgendwie auskommen. Und dann gibt es noch die Schauspieler. Da entstehen manchmal echt absurde Situationen, um die du dich plötzlich kümmern musst.  Fazit: Du musst sehr belastbar sein, sonst hältst Du es in der Branche nicht aus. 

Braucht man als Produzent/-in rechnerisches Talent im Sinne der Buchhaltung? 

6 bis 8! Es Ist definitiv von Vorteil, wenn man Mathe kann. Es ist aber keine Grundvoraussetzung. Es gibt auch Produzenten, die gar keine Ahnung von Zahlen haben. Mein anderer Partner in der Firma kümmert sich um die Zahlen, ich fokussiere mich auf inhaltliche Themen. Ich kenne eigentlich nur einen in der Branche, der beides sehr gut konnte: Bernd Eichinger.  

Und wie sieht es aus mit Organisationstalent?

8 bis 10! Das muss man sehr gut draufhaben. Du musst in dem Chaos einigermaßen den Überblick behalten. Du kümmerst dich normalerweise um sechs bis sieben Projekte pro Jahr, von den aber nur die Hälfte wirklich konkret werden. Meistens hast du sogar noch viel mehr Projekte. Wichtig ist, du musst nicht nur die Projekte leiten, sondern du musst auch gucken, ob jeder gerade weiß, wo du stehst. Die eine Förderung hat da abgesagt, da hat die Regisseurin abgesagt, da muss schnell Ersatz gefunden werden. Also alles artig weiter kommunizieren und dich auch um die jeweiligen Probleme kümmern. Wenn du da nicht organisieren kannst, dann gehst du unter. 


Kannst du mir die für dich wichtigste Eigenschaft deiner Meinung nach nennen, die ein/-e Filmproduzent/-in braucht? 

Durchhaltevermögen. Man muss – wie es so schön heißt – „Nehmerqualitäten“ haben. Mein Film Die dunkle Seite des Mondes hat von der ersten Idee bis zum Kinosstart mehr als fünf Jahre gedauert. Und bei der ersten Idee war ich noch nicht mal dabei, ich bin da so reingeschupst worden. Den Film, den wir jetzt im Februar drehen habe ich 2011 angefangen zu entwickeln, den Regisseur dazu gefunden etc. Der wird jetzt im Februar 2019 gedreht und kommt wahrscheinlich erst im Frühjahr 2020 in die Kinos. Da kann man sich schon vorstellen, wie viel Durchhaltevermögen man dafür haben muss. 

Wer ist dein Vorbild? 

„Vorbild“ ist der falsche Begriff. Es gibt unterschiedliche Leute, vor denen ich großen Respekt habe. Es gibt sowohl von der inhaltlichen Seite, der Regie, als auch von der Seite der Produktion Menschen, die mich geprägt haben, die mich beeindrucken, bis heute. Auf der inhaltlichen Seite ist das auf jeden Fall jemand wie Fatih Akin. Er war ganz wichtig für mich und die Generation von uns „neuen Deutschen“. Denn er war der erste Regisseur, der eine Lebensrealität abgebildet hat, die ich als authentisch empfunden habe.  Ich bin mit verschiedenen Kulturen in meinem Freundeskreis aufgewachsen. Die kamen alle aus Hamburg, da war es scheißegal, ob die Türken, Griechen oder Jugoslawen waren. Mit dieser Selbstverständlichkeit hat Fatih damals angefangen Geschichten zu erzählen. Und es gibt einige Produzenten, die ich toll finde. Einer von denen ist Peter Rommel. Der hat Hits wie „Feuchtgebiete“ oder Andreas Dresens Filme produziert „Sommer vom Balkon“. Von dem lernst du viel über Haltung. Zum Beispiel, was die Auswahl seiner Geschichten angeht, die er produziert. Oder mit welchen (schwierigen) Menschen er nicht mehr zusammenarbeitet. Peter ist zudem ein sehr charismatischer Kopf. 

Würdest du sagen, dass ein guter Regisseur auch gleichzeitig ein guter Produzent sein kann? 

Ja. Ich glaube es hilft sehr, nicht auf Regie oder Produktion beschränkt zu sein. Es ist total hilfreich, ganz unterschiedliche Bereiche beim Film zu kennen. Da hilft es auch theoretisch gesehen, wenn du Fahrer bist oder Setrunner. Wenn Du so anfängst, das kleinste Glied in dem riesigen System bist, dann verstehst du am Ende einzelne Mechanismen auf der Makro-Ebene besser.

Woher nimmst du die Passion gesellschaftskritische Filme zu drehen?

Das Leben ist zu kurz, um sich auf oberflächliche Filme zu konzentrieren. Ich habe früher, bevor ich zum Film gekommen bin, viele Jahre für eine Fernsehproduktionsfirma gearbeitet. Das Endprodukt war häufig einfach nur Mist, was einem peinlich war. Jedoch bin ich nicht naiv, man kann nicht immer nur gesellschaftskritische Filme drehen. Im besten Falle hat man Projekte, die einen gewissen Anspruch haben, aber auch ein größeres Publikum erreichen. 

Was ist das reizvollste am Job?

Ich habe mich immer gefragt, wieso viele in der Branche, die 15, 20 Jahre älter sind als ich, immer nur am jammern sind? Das ist so eine typisch deutsche Art. Man hat doch eigentlich einen tollen, privilegierten Job. Jetzt kann man sogar mit seinen Geschichten auf Plattformen wie Netflix Millionen Menschen gleichzeitig erreichen. Man muss zwar belastbar sein, aber man sollte aber auf keinen Fall aufhören, sich dessen bewusst zu sein, was man da eigentlich macht. Wir träumen und bekommen dafür auch noch (ein wenig) Geld. Man muss ein dickes Fell haben, ja! Man sollte sich aber selbst pflegen, Sport treiben, Urlaub machen, kein Alkohol trinken… ganz banale Sachen eben. Dann läuft das auch. 

 

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