Synchronregisseur/-in: Selten ist man wirklich besser als das Original

Wenn man im Kino einen aktuellen Blockbuster schaut oder im Fernsehen bei der neuesten Folge von „Game of Thrones“ mitfiebert, merkt man oft kaum, dass alles, was wir dort hören, kräftig nachbearbeitet ist. Neben der Übersetzung der Dialoge ins Deutsche wird auch die gesamte Klangkulisse bearbeitet. Die künstlerische Leitung im Tonstudio übernimmt dabei der/die Synchronregisseur/-in. In der Regie und auch als Sprecherin hat Petra Barthel seit vielen Jahren Erfahrungen gesammelt. Unter anderem lieh sie ihre Stimme Nicole Kidman, Uma Thurman und Julianne Moore. Zuvor war sie lange Jahre als Schauspielerin an diversen Theaterbühnen tätig.

von Kai Gies

Worum geht es bei der Filmsynchronisation?

Es geht darum, einen Film oder eine Serie aus der Originalsprache ins Deutsche zu übertragen, und das möglichst gut. Der Synchronregisseur beschäftigt sich zunächst mit dem Projekt. Was ist das für eine Geschichte, was für ein Genre, welche Charaktere spielen mit?  Dann beginnen erste Überlegungen: Wen gibt es, der das am besten sprechen kann? Welche Stimme kommt der Originalstimme am nächsten? Oft ist es so, dass für die wichtigen Rollen dann ein Casting stattfindet, denn die Redakteure haben bei der Entscheidung ein wichtiges Wort mitzureden. Wenn die Besetzung im Vorfeld geklärt ist, beginnt die Studiozeit. Ein Film wird in der Regel in einer Woche aufgenommen, eine Serie kann sich in Staffeln über Jahre ziehen.

Was macht man als Synchronregisseurin?

Wenn ich gemeinsam mit dem Tonmeister in der Regie sitze, ist es meine wichtigste Aufgabe, aufzupassen, dass wir nicht vom Original abweichen. Der Ton, die ganze Atmosphäre der Szene, der Zauber, der Humor des Films muss spielerisch getroffen werden. Es darf nicht passieren, dass wir am Ende irgendetwas Eigenes gemacht haben. Manchmal muss der Text aus Synchrongründen geändert werden. Also, frei erfinden verbietet sich da. Wenn es am Ende gelungen ist, so gut wie das Original zu sein, dann ist das schon was. Selten ist man wirklich besser, finde ich.
Dann muss ich ein Ohr für ein funktionierendes Zusammenspiel haben. Heute ist es so, dass die Sprecher ganz allein vor dem Mikrofon stehen, obwohl im Film zwei oder mehrere zusammen agieren. Bei Dialogen wird im Studio jeder einzeln aufgenommen. Am Ende sollte die Szene so klingen, als hätten sie wirklich miteinander gesprochen. Das heißt eben, dass man den Dialog glaubhaft rüberbringt.

Gefällt es dir, am Ende die kreative Entscheidung zu haben?

Ja. Ich habe große Freude, wenn ich interessante Filmprojekte machen darf. Und ich freue mich immer, wenn ich die tollen Schauspieler an den Start bekomme. Und wenn sie dann spielen und ihren Job gut machen, ist das wunderbar. Auch wenn wir „nur nachmachen“ – eine kreative Arbeit ist es trotzdem.

Gibt es außerhalb dieser Laufbahn noch andere Möglichkeiten, Synchronregisseur zu werden?

Ah interessant! Das verändert sich mit der Zeit. Als ich angefangen habe, in den 1980er-Jahren, war das ein ehrwürdiger Beruf, man bekam gewaltiges Herzklopfen, wenn man mit diesen Halbgöttern arbeitete. Sie strahlten hohe Bildung aus, die sie zweifellos auch hatten. Und ein Germanistik- oder Dramaturgiestudium war oft Ausgangspunkt. Mit der Zeit kamen dann aber mehr und mehr über den Schauspieler- oder Sprecherberuf zum Synchronregisseur. Auch gibt es einige, die Filmregie studiert haben, aber lieber in der Synchronbranche arbeiten möchten.

Kommt es auch zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dir und den einzelnen Sprechern?

Ja, klar, das kann schon passieren. Folgendes Beispiel: Ich nehme ganz gerne japanische Animes auf. Ich finde sie sehr geheimnisvoll und interessant. Es ist auch spielerisch eine Herausforderung, weil die Japaner eine andere Spielästhetik als wir haben. Ihr Ton scheint immer gleich zu sein. Man kann oft schwer die feinen Emotionen hören. Die Männer führen ihre tiefe Stimme vor, und die Frauen sind extrem hoch.
Vor einer Weile hatte ich eine schöne japanische Serie. Eine der Hauptrollen wurde von einem guten Schauspieler gesprochen, den vermutlich sehr viele kennen würden. Er hat also losgelegt und sich in seiner Stimme gebadet. Mir hat das nicht so gut gefallen. (...) Es ging ein ziemlicher Streit los. Er wollte sogar das Studio verlassen und die Rolle abgeben. Ich habe ihm gesagt, dass man auf die Schnelle durchaus meinen könnte, dass die Japaner keine Nuancen spielen. Aber bei genauem Hinhören und dem Willen sich darauf einzulassen, findet man doch Feinheiten. (...)

Häufig texten Regisseure auch die Drehbücher, bei euch Synchronbuch genannt. Wie häufig übernimmst du diese Aufgabe?

Ich habe früher viel getextet. Seit ein paar Jahren eher weniger. Dialogbuch schreiben ist, wenn man es gut macht, sehr mühsam. Ich gehöre nicht zu denen, die das auf die leichte Schulter nehmen. Man darf nicht an sich zweifeln und jeden zweiten Tag wieder von vorn anfangen, weil es sich nicht gut liest. So kann man den Abgabetermin nicht halten: Es ist Knochenarbeit, trotzdem, es gibt hervorragende Autoren. Ich würde gerne mit jemandem zusammenarbeiten, der für mich schon mal einen guten Entwurf macht. Und ich dann den Feinschliff. Das ist dann fast wie die Arbeit eines Redakteurs. Da habe ich einen Abstand, bin viel lockerer und mir fallen auch gute Sachen ein.

In vielen Filmen gibt es sprachliche und kulturelle Besonderheiten ohne eine Entsprechung im Deutschen. Wie schafft man es, trotzdem darauf einzugehen?

Tja, das ist schon die Frage seit es das Synchronisieren gibt. Viele Jahre lang wurde das glattgebügelt. Das hat früher kaum jemanden interessiert. Die haben oft ihre eigenen Witze gemacht. Es ist auf jeden Fall schwer. Und man muss Humor haben und viel Fantasie, um annähernd das zu finden, was den Witz oder die Wendung im Original ausmacht.

Welcher Herausforderungen gibt es im Alltag als Synchronregisseurin?

Es gibt ein Zeitproblem. Wir haben an einem Tag ein großes Pensum, das wir schaffen müssen, mit allen, die zu uns kommen. Und trotzdem muss am Ende die Qualität gut sein. Es gibt einfach Sprecher, die weniger gut sind als andere. Bei denen ist nur mit viel Zeit ein optimales Ergebnis möglich. Also setze ich Spitzen. Das heißt, ich kritisiere einige Sätze nicht und lasse es durchlaufen. Dann aber kommt eine wirklich wichtige Stelle, wo man mal richtig losspielen muss. Und da gebe ich die nötige Zeit und Hilfe, bis es richtig gut ist. So bleiben wir ungefähr im Zeitlimit. (...)

Bei Streaming-Diensten wie Amazon oder Netflix werden Serien zunehmend in Originalsprache geschaut. Siehst du das als Risiko für eure Branche?

Nein, ich sehe das nicht als Risiko. Die breite Mehrheit wird dieser Tradition, die in Deutschland herrscht, gewogen bleiben. Ich finde es sogar ganz gut, wenn sich da auch ein anderer Weg auftut, nämlich, dass nicht synchronisiert wird. Denn gerade für die jüngere Generation soll es doch noch mehr die Möglichkeit geben, im Original zu hören.

Welche Chancen und Probleme siehst du in Zukunft auf die Synchronbranche zukommen?
Was mich sehr nachdenklich und auch etwas traurig macht ist, dass es immer weniger Schauspieler gibt, die auch synchronisieren. Es gibt sie noch, aber es werden weniger. Die alten Hasen sterben fast alle und es kommen zu wenig neue nach. Aber das würde man gar nicht vermuten, wenn man andererseits davon ausgeht, dass man eigentlich, wenn man es gut kann, auch gute Verdienstmöglichkeiten in der Branche hat.(...)

Als Sprecher weiß man ja schon um viele Feinheiten. Kann man von der Tätigkeit als Synchronsprecherin etwas auf die Arbeit als Synchronregisseurin übertragen?

Wenn ich als Sprecherin vor dem Mikro stehe, dann bin ich trotz meiner großen Erfahrung oft unsicher und höre mich selbst. Seit ich aber selbst Regie führe, habe ich gelernt, lockerer zu sein, mich mehr auf die Anweisungen des Regisseurs zu verlassen und insgesamt weniger an mir zu zweifeln.

 

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