Rebecca Seebacher

Rebecca Seebacher steht zwischen einer Karriere als Tänzerin in der deutschen Nationalmannschaft und dem Job im Online Marketing. Zurzeit ist sie Recruiterin bei Peak Ace. Genau wie im latein-amerikanischen Tanz benötigt sie den Ehrgeiz und die Ausdauer, um Herausforderungen im Job zu begegnen. Ich begleite sie durch die Agentur, in der sie zurzeit tätig ist. Rebecca gibt Einblicke in ihren Alltag und spricht über den Ausgleich zwischen Leistungssport und Büro-Job.

Rebecca Seebacher studierte an der DEKRA | Hochschule Kommunikationsmanagement in der Spezialisierung Kommunikationspsychologie. Sie arbeitet als im Bereich Human Resources als Recruiterin bei einer Agentur.

Interview von Jan Lattermann

Zuallererst würde mich interessieren, wie du zur Agentur Peak Ace gekommen bist.

Ich habe einen Werkstudentenjob gesucht und ab dem 18. Juli 2019 hier angefangen. Meine beste Freundin, auch eine Kommilitonin, hatte einen Freund, der meine Stelle vor mir hatte, die ich dann bekommen habe, weil er wiederum intern gewechselt hat. Somit hatte ich das Glück hier reinzurutschen.

Was hat dir besonders dabei geholfen die Stelle zu bekommen?

Meine Einstellung! Ich wollte immer arbeiten und habe das auch immer getan. Ich habe vorher in einer HR Firma gearbeitet, die praktisch eine Allround Lösung für die HR Abteilung angeboten hat. Ich war dort im Online Marketing tätig und wollte deshalb auch unbedingt weiterhin im Online Marketing arbeiten. Ich habe aber tatsächlich von Online Marketing zu der HR Abteilung gewechselt und würde behaupten das ich daher meinen Hintergrund und meine Vorkenntnisse zu der HR Abteilung habe.

Was genau ist eigentlich HR?

HR steht für Human Resource Management. Bei uns ist das der administrative Part, sprich Buchhaltung, Reiseplanung, Krankheitsfälle, Vertragsverlängerung oder zum Beispiel Kündigungen. Allerdings gibt es auch noch einen weiteren Part, in dem ich zurzeit arbeite. Dieser Part ist das Recruiting, also das Anwerben beziehungsweise die Bearbeitung der Bewerbungen. Wir haben zum Glück eine Software, die uns dabei hilft oder sie bewerben sich per E-Mail. Dann führe ich die Bewerbungsgespräche und plane Termine. Allerdings suche ich auch aktiv Leute und passe auf, dass wir überall online sind, zum Beispiel auf verschieden Jobportalen.

Was würdest du als Recruiterin sagen: Was sollte man für so einen Job mitbringen?

Auf jeden Fall sozialpsychologische Ansätze. Das letzte halbe Jahr, das ich in der Fachvertiefung Wirtschaftspsychologie (heute Spezialisierung Kommunikationspsychologie im Studiengang Journalismus und PR A.d.R.) studiert habe, hat mir dabei ungemein geholfen. Also ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich Menschen in Gruppen verhalten. Wie sich Menschen untereinander vergleichen, was es für verschiedene Management-Ebenen gibt oder warum Menschen so handeln, wie sie handeln. Aber auch, wie Menschen mit Kritik umgehen, was man Leuten sagen kann und was nicht. Man muss einfach verstehen, wie Menschen so ticken.

Was würdest du anderen auf dem Weg mitgeben, wenn sie in die gleiche Richtung wie du gehen wollen?

 Man sollte auf jeden Fall Spaß daran haben einerseits sehr organisatorisch zu sein, aber auch vieles Neues entdecken zu wollen. Auf den ersten Blick wirkt der Job sehr abgestumpft. Aber gerade in einer Agentur oder einem Startup hat man die Möglichkeit, eine Vielzahl an Sachen zu machen. Man sollte aber auch mit Menschen umgehen können. Man hat nun mal tagtäglich mit Menschen zu tun, mit Problemen von Menschen, mit netten wie mit blöden Menschen.

Was waren deine Erwartungen und wurden sie ungefähr erfüllt?

 Ehrlich gesagt habe ich gar nichts erwartet. Am Anfang hatte ich gedacht, dass die HR Abteilung etwas langweilig werden kann. Den ganzen Tag im Büro und alltäglich Arbeitszeiten und Krankheitsmeldungen und vielleicht Urlaube buchen, aber ich wurde total positiv abgeholt. Den Recruiting Bereich habe ich anfangs gar nicht richtig wahrgenommen, der ist nämlich abgegrenzt von dem administrativen Bereich und kann sehr viel bieten.

Wie würdest du einen normalen Tag hier bei dir in der HR-Abteilung beschreiben? Besonders im Bezug auf deine Work-Life-Balance?

Da muss ich weiter ausholen. Ich mache Leistungssport. Das ist meine Leidenschaft und hat für mich oberste Priorität. Ich tanze lateinamerikanische Tänze und habe vor kurzem einen Vertrag in der Nationalmannschaft für zwei Jahre unterschrieben. Und ich bin dieses Jahr in meiner Klasse deutsche Meisterin geworden. Mein Hauptfokus ist für mich wirklich das Tanzen. Ich muss aber auch Geld verdienen, ich habe ja nicht umsonst drei Jahre studiert. Ich finde es wichtig zu erkennen, dass meine Leidenschaft Sport ist und ich mich hierbei jeder Zeit ganz leicht verletzen kann. Und ich muss mir ein zweites Standbein aufbauen. Deshalb würde ich eher sagen, dass die Arbeit hier ein Ausgleich für meine Leistungssport-Karriere ist. Das Tanzen nimmt einen Großteil meiner Zeit in Anspruch, trotzdem möchte ich arbeiten gehen. Ich würde schon von mir behaupten, dass ich sehr erfolgsorientiert, zielstrebig und ehrgeizig bin.

Beschreibe doch bitte mal einen Arbeitstag.

Ich komme früh morgens an und muss erstmal die ganzen E-Mails checken. Nicht nur, was intern passiert ist, sondern auch die Bewerber-E-Mails. Danach schaue ich in unserer Software nach, ob da neue Bewerbungen reingekommen sind. Dann arbeite ich die noch ins System ein und ordne sie den Stellen zu. Dort sieht man dann, wer schon ein angelegtes Profil hat und was die nächsten Schritte sind. Ich habe in jedem Team einen Ansprechpartner für jegliche Fachbereiche und diese bearbeiten dann die Lebensläufe. Anschließend entscheiden wir gemeinsam, wen wir zum Bewerbungsgespräch einladen. Alles funktioniert Schritt für Schritt und ich verfolge täglich diese Prozesse und organisiere das Drumherum. Nachdem ich das abgeschlossen habe beginnt dann auch der Tag mit Meetings, Bewerbungsgesprächen und anderen Terminen. Die Tage sind sehr unterschiedlich. Der einzig feste Termin ist das Mittagessen um 12:30 Uhr. Das ist grob gefasst mein Alltag. Und ich gestalte zwischendurch die Aufgaben, die ich eh jeden Tag machen muss, also Bewerbermanagement und Bewerbungsgespräche führen. Update-Meetings haben wir jede Woche genau so wie ein Recruiting-Meeting mit dem ganzen Team. So, dass man sich abspricht wer was macht und wie weit man zurzeit ist. Ab nächstem Monat fangen bei uns Beispielsweise sechs neue Bewerber an, darauf müssen wir uns natürlich vorbereiten.

Kannst du auch eigene Projekte vorschlagen oder durchführen?

Ja, zurzeit arbeite ich zusammen mit einem unserer Entwickler zusammen, um das Job-Posting zu automatisieren. Er hat mir einen Bot gebaut der mir automatisch die Masken der Website ausfüllt und ich somit innerhalb von fünf Minuten 50 Jobs posten kann. Das ist eines der Projekte, die ich mir völlig frei aussuchen konnte. Ich bin immer drauf und dran Prozesse zu verbessern. Mein Steckenpferd ist allerdings das Anwerben von internationalen Mitarbeitern für unsere Agentur. Wir bieten unseren Kunden Webseiten mit Muttersprachlern an. Im Moment haben wir ein Team von 20 Muttersprachlern aus aller Welt. Und hierbei versuchen wir auch immer zu lernen. Wo denn Zugezogene in Berlin ankommen, auf welchen Portale diese zu finden sind, ob auf XING oder LinkedIn oder auf Facebook. Wie kann ich über Social Media jemanden finden?

Schaffst du es den Job von deiner Freizeit zu trennen?

Ich arbeite auch abends. Zum Glück haben wir einen Workload Assistant, der meine Arbeitsminuten verfolgt. Und wenn ich abends noch ein paar E-Mails beantworte, werden mir beispielsweise auch 48 Minuten bezahlt. Allerdings haben wir eine Kernarbeitszeit von 11:00 bis 16:00 Uhr, in der jeder da sein sollte, weil in der Zeit einfach am meisten passiert. Aber ja, auch außerhalb der Arbeitszeiten bin ich manchmal mit der Arbeit beschäftigt, besonders dann, wenn ich an einen Bewerber dran bin und den Nutzen dahinter sehe.

Was ist das Beste und was eher eine Herausforderungen deinem jetzigen Beruf?

Das Beste ist meine Weiterentwicklungsmöglichkeit. Und das ich sehr frei darin bin was ich tue. Das Rekrutieren der internationalen Mitarbeiter ist außerdem sehr interessant. Niemand hier legt einem Steine in den Weg, wenn man mal Verbesserungsvorschläge hat und ich durfte schon an Workshops der Fachbereich-Leiter teilnehmen. Ich durfte sogar als Werkstudent schon Bewerbungsgespräche führen. Bei der Herausforderung muss ich echt überlegen, weil ich zufrieden bin. Ich glaube, es ist einfach meine Motivation, dass ich zu viel machen will, aber nicht alles schaffen kann. Im Moment bin ich halt nur Trainee, werde aber bald Junior Manager.

Welchen Weg möchtest du in Zukunft einschlagen?

Privat möchte ich eine Tanztrainer-Ausbildung machen das ist auf jeden Fall ein Bereich, den ich ausbauen will. Und ich möchte meine erlernten Skills aus dem Online Marketing auch im Tanzen anwenden, zum Beispiel auf unserer Facebook-Seite. Beruflich möchte ich mich spezialisieren und immer mehr lernen und weiterhin wachsen.

Dann wünsche ich dir viel Erfolg auf deinem Weg und bedanke mich.   


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