Sebastian Fenske

Einer der kreativen Köpfe des Frühstücksfernsehens bei Sat.1 ist DEKRA-Alumnus Sebastian Fenske. Er arbeitet als verantwortlicher Redakteur bei der Morningshow. Sebastian studierte an der DEKRA | Hochschule für Medien Journalismus, an der er neuerdings auch ab und zu ein Seminar leitet.

Sebastian Fenske ist einer der kreativen Köpfe für das Frühstücksfernsehen bei Sat.1. Er studierte an der DEKRA | Hochschule für Medien im Studiengang Journalismus.

Reportage von Sabrina Hrdina

Die Sendung von Verrückten und Frühaufstehern

Das Thema 30 Jahre Mauerfall läuft in diesem Jahr (2019) in allen Medien. Auch das SAT.1 Frühstücksfernsehen möchte seinen Beitrag dazu leisten, jedoch auf eine ganz besondere Art. „Man muss verrückt denken! Alle Morgensendungen duellieren sich auf Augenhöhe, aber es gewinnen die, die am kreativsten, am verrücktesten sind“, sagt Sebastian augenzwinkernd mit erhobenem Finger. Es soll Backstage anhand der Mitarbeiter des SAT.1 Frühstücksfernsehens gezeigt werden, ob und wie die Wiedervereinigung Deutschlands geglückt ist. Am Vortag hat Sebastian von seinem Chef vom Dienst (CVD) die Story bekommen und anschließend recherchiert, organisiert und überlegt, wie er die Geschichte erzählen will.

Vor dem Dreh musste jeder Mitarbeiter informiert werden, da viele von ihnen bewusst einen Job beim Fernsehen gewählt haben, der nicht vor der Kamera stattfindet. Um 8:00 Uhr morgens trifft sich Sebastian mit seinem Kamerateam. „In diesem Job muss man ein Frühaufsteher sein“, merkt Sebastian mit einem Grinsen an. Sie betreten das Gebäude, dessen Eingangsbereich eher schlicht und kühl gehalten ist, mit einer riesigen Fensterfront und hohen grauen Säulen. Lediglich ein paar Palmen und zwei große rote Türen links und rechts brechen das ansonsten betonfarbene Konzept des Raumes auf. Vor der Fensterfront hängt ein kleiner Fernseher, auf dem die Sendung live zu sehen ist. Das Kamerateam bereitet sein Equipment vor und der Dreh kann beginnen.

Bei jedem einzelnen Interview herrscht eine lockere Atmosphäre

In der Redaktion gibt es einige „verborgene Geschichten“ zum Fall der Mauer, die darauf warten, erzählt zu werden. Um diese einzufangen, zieht Sebastian zusammen mit seinem Kamerateam von Büro zu Büro und interviewt seine Kollegen*innen, wie den Leiter des Reporterpools, den Chef vom Dienst und die Kolleginnen und Kollegen von sogenannten Zentralen Dienst. Die eigenen Erinnerungen des Teams sollen sich als roter Faden durch die Story ziehen und somit Nähe und Authentizität beim Zuschauer erzeugen. Damit die Interviewten aber nicht überrumpelt werden, hat Sebastian auch sie vorab eingeweiht und ihnen das Thema vorgestellt. Bei jedem einzelnen Interview herrscht eine lockere Atmosphäre. Sebastian stellt gekonnt und mit Ruhe seine Fragen und geht auf die Antworten seiner Kollegen*innen ein. Wichtig für den Beitrag sind vor allem die „Gesichter“ des SAT.1 Frühstücksfernsehens, die Moderatoren.

Sie sind bekannt und durch Sebastians Beitrag bekommen die Zuschauer die Möglichkeit, sie auch einmal außerhalb der Sendung zu sehen. Alina Merkau und Matthias Killing sprühen nur so von Erinnerungen, die sie mit viel guter Laune erzählen. Sebastian selbst ist vor allem ein familiäres Klima wichtig. Das möchte er auch mit seiner persönlichen Geschichte erzeugen. Deshalb ist heute ausnahmsweise auch seine Freundin an seiner Seite. Die beiden sind übrigens frisch gebackene Eltern. „Sie ist aus Hamburg und ich bin aus Mecklenburg- Vorpommern. Wir arbeiten beide bei MAZ&MORE. Da kann man natürlich sagen: Ohne den Mauerfall und ohne das SAT.1 Frühstücksfernsehen hätten wir uns nie kennengelernt und unsere Kleine würde es auch nicht geben.“ Im Arm der Mutter verschläft derweil die Tochter der beiden das Interview des sichtlich stolzen Vaters.

An manchen Tagen sei der Puls bei null, wenn das Material nicht kommt und dann bei 220

Zurück in der Eingangshalle ist die große, rote Tür immer noch verschlossen. Was sich wohl dahinter verbirgt? „Ich würde die nächste klar erkennbare Pause abwarten, sonst landen wir vielleicht noch aus Versehen im Musikauftritt“, schlägt Sebastian lachend vor und zeigt auf den kleinen Fernseher: Die Band spielt. Nun heißt es geduldig sein – eine weitere Eigenschaft, die man laut Sebastian für das Fernsehen haben sollte. Man müsse viel warten. An manchen Tagen sei der Puls bei null, wenn das Material nicht kommt und dann bei 220, wenn man nur noch wenig Zeit bis zum Sendungsbeginn hat. Ein weiterer Blick zum Monitor zeigt die Moderatoren und schließlich die Werbung! Die Kameraleute schnappen sich ihr Equipment und die rote Tür öffnet sich. Auf geht es nun in das „Studio 3“.(...)

Zwei Minuten, eine Minute – die Kameras werden positioniert, die Moderatoren und deren Gäste gehen in den verschiedenen Kulissen auf ihre Plätze. Die Sendung läuft und der Moderator kündigt das nächste Interview an. Danach springt er flink vom Sessel zur großen Couch in das nächste Szenenbild und das Interview mit dem Gast beginnt. Mit erhobenem Kopf, festem Stand und auf dem Rücken verschränkten Händen beobachtet Sebastian aufmerksam die Arbeit seines Kamerateams. Neben den Moderatoren wird vorrangig das Geschehen hinter den Fernsehkameras gefilmt. Zwischendurch darf natürlich eine Mittagspause nicht fehlen. Samt Kamerateam und einigen Kollegen geht es zur Kantine, es wird niemand zurückgelassen, wie in einer Familie. Mit am Tisch sitzen auch viele junge Leute.

Auch Studierende der DEKRA | Hochschule für Medien arbeiten beim Frühstücksfernsehen

So haben sie zu den drei Jahren Studium schon drei Jahre Praxiserfahrung beim Fernsehen. Das kann Sebastian wirklich jedem empfehlen. Als Einstiegsjob biete MAZ&MORE die Position des CVD-Assistenten an. Außerdem gebe es viele studentische Hilfskräfte als redaktionelle Mitarbeiter. Die Posten seien vor zwei Jahren erst neu geschaffen worden. Zudem könne man ein Praktikum beim Sender machen und so direkt aktiv in der Redaktion arbeiten. „Das Volontariat ist hier sogar, finde ich, das beste deutschlandweit“, ergänzt Sebastian. Im SAT.1 Frühstücksfernsehen kann man sich in vielen Bereichen ausprobieren. Außerdem lernt man die Redaktionsarbeit im Bereich Nachrichten kennen sowie die Springer Gruppe mit BILD und WELT.

Schalten-Training, Moderationstraining und Sprecher-Training gehören ebenso zur Ausbildung. „Wenn du hier einmal durch die Schmiede gegangen bist, kannst du eigentlich überall anfangen.“ Sebastians beruflicher Werdegang hat jedoch woanders begonnen. Nach seinem Abitur war er sich noch nicht sicher, was er machen soll und ist erstmal zur Bundeswehr gegangen. Dort blieb er drei Jahre und war davon viereinhalb Monate im damaligen Kosovo-Einsatz. Während des Einsatzes habe ihm eine Freundin einen Link von der DEKRA | Hochschule für Medien geschickt. Da er sich schon immer für das Fernsehen interessiert habe, entschied sich Sebastian schließlich für das Studium. Für sein Pflichtpraktikum wollte er einfach mal raus aus Berlin, da das nicht nur auf dem Lebenslauf gut aussehe, sondern auch eine große Erfahrung sei. Zunächst hat er ein Praktikum bei 17:30 SAT.1 Bayern gemacht und anschließend sein Pflichtpraktikum beim BMW Mitarbeiter-Fernsehen in der großen Zentrale.

Nach dem Studium hat er ein Jahr als Fitnesstrainer gearbeitet, sich dann jedoch für ein Praktikum beim SAT.1 Frühstücksfernsehen entschieden. „Das war die beste Entscheidung überhaupt, weil man hier so viele Möglichkeiten hat. Es gibt kein Thema, das wir nicht machen.“ Sebastian erzählt von einem spannenden Arbeitstag nach dem anderen. Beim Terroranschlag am Breitscheidplatz sei er damals der erste Redakteur vor Ort gewesen. Beim Absturz einer Germanwings- Maschine 2015 wollte er gerade nach Hause gehen, als sein Chef reinkam und sagte, dass keiner gehen dürfe. Sebastian sei noch am selben Tag zum Flughafen Tegel gefahren, habe gedreht und die letzte MAZ geschnitten. Er sei an dem Tag 17 Stunden im Einsatz gewesen. Doch sein aufregendster Arbeitstag sei der gewesen, als ein Anschlag auf Ariana Grande während eines Konzerts in Manchester stattfand.

„Das Traurige an diesem Job ist: Die schlimmen Geschichten sind die geilsten Arbeitstage.“

Am nächsten Morgen um 9:00 Uhr sei ihm sein CVD entgegengekommen und habe gesagt, dass er in eineinhalb Stunden nach Manchester fliegen müsse. „Das Traurige an diesem Job ist, die schlimmen Geschichten sind die geilsten Arbeitstage“, sagt Sebastian nachdenklich. Auch die Regie darf in dem Mauergeschichten-Beitrag natürlich nicht fehlen, um dem Zuschauer zu zeigen, wer hier eigentlich die Hebel in der Hand hat. „5, 4, 3, 2, 1 und ab“, der nächste Beitrag beginnt. Vollste Konzentration und Ruhe sind hier das A und O. Jedes kleinste Geräusch stört, nur die Hündin Lotte darf bellen. „Lotte ist Deutschlands berühmtester Fernsehhund. Selbst Leute, die die Sendung nicht kennen, wissen, das ist die Sendung mit dem Hund“, erzählt Sebastian in Plauderlaune. Fünf Minuten Werbung – Pause! Alle stürmen aus der Regie. Die Kameraleute nehmen die letzten Bilder auf. Sekunden vor Sendungsbeginn sitzt die Regie wieder pünktlich an ihren Plätzen. Sebastian wirkt gut gelaunt und gelassen, schaut aber trotzdem lieber nochmal über die Kamerabilder. (...)

Die Live-Sendung ist um 10:00 Uhr vorbei. Der Arbeitstag aber noch nicht. Nach der Sendung folgt eine weitere Konferenz und dieses Mal kommen alle zusammen. Hinter der gläsernen Tür sitzen sowohl die Macher der Sendung, der Beiträge als auch die der Live-Auftritte. Mit Ernsthaftigkeit und einer guten Prise Humor geht der Chefredakteur die einzelnen Punkte der Sendung Schritt für Schritt durch. Besprochen werden die Ausstrahlung der Moderatoren, die beste und schwächste MAZ des Tages, das Streitthema Livemusik und ob das Ziel der Sendung erfüllt werden konnte. Oft dauert ein Drehtag länger als erwartet, doch am Ende ist alles im Kasten. Während des gesamten Drehs ist Sebastian anzumerken, wie sehr er für seinen Job brennt. Er verbreitet gute Laune, arbeitet dabei jedoch immer professionell und konzentriert. Morgen wird Sebastian das Material umfassend sichten und am Tag darauf ca. acht Stunden mit einer Cutterin im Schnitt sitzen. Dort soll der Beitrag aus dem Rohmaterial zusammen mit der externen Grafik und dem Material aus dem Archiv gebaut werden. Am dritten Tag gehen die Geschichten der Mitarbeiter* innen dann endlich auf Sendung.


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