Studierende berichten aus dem Auswärtigen Amt vom Pre-Briefing zur UN-Klimakonferenz

Am 12. November fand im Auswärtigen Amt das Pre-Briefing zur UN-Klimakonferenz in Paris statt (COP21). Es ging um harte Fakten und konkrete Maßnahmen für Politik und Wirtschaft, um das sogenannte 2-Grad-Ziel und um die deutsche Position für Paris.Live vor Ort berichteten einige unserer Journalismus-Studierenden aus den Jahrgängen 2013 und 2014 gemeinsam mit Absolventen für das Deutsche Klima Konsortium (DKK).

Folgen konnte man dem studentischen Redaktionsteam unter anderem in einem Blog auf der DKK-Website, in dem sie über die Vorträge berichten, eine Bildergalerie und kurze Videointerviews mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und Prof. Dr. Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zeigen.

Zudem berichteten sie auf Twitter und Periscope unter #COP21Berlin und #klimaschutz. Das anschließend erstellte Storify fasst den Tag schön zusammen.

Den Kurzvortrag „Keep the Oil in the Soil“ von Dr. Sonja Peterson vom Institut für Weltwirtschaft Kiel haben unsere Studierenden mit Scribbles und Animationen anschaulich bebildert.

Und im Klima-Clip „Perry“ werfen Studierende unseres Studiengangs Fernsehen und Film einen ungewöhnlichen, emotionalen Blick aus der Vogelperspektive auf eine Welt ohne Klimaschutz.

Zudem entstanden folgende Artikel:

"Die Energiewende" von Felix Gottschalk

Dass die fossilen Brennstoffe der Erde endlich sind, ist seit langem kein Geheimnis mehr. Auch wenn durch modernere Gewinnungsverfahren die nutzbaren Bestände von Erdöl und –gas hinsichtlich früherer Prognosen noch wachsen, ist der Weltbevölkerung mittlerweile klar: fossile Brennstoffe sind keine Dauerlösung. Zum Schutz des Klimas und der Erde muss auf erneuerbare Energien für die Gewinnung von Strom und Wärme zugegriffen werden.

Im Rahmen der angestrebten Energiewende in Deutschland sollen bis zum Jahr 2020 Treibhausgasemissionen für die Stromerzeugung um 49 Prozent verringert und auch das letzte deutsche Kernkraftwerk bis zum Jahr 2022 vom Netz genommen werden. Des Weiteren sollen bis 2035 55 bis 60 Prozent und bis 2050 80 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Diese Klimaschutzziele stellen Deutschlands Energiesektor nicht nur vor ein Problem, dass es zu lösen gilt.  Es geht nicht nur darum, die Zielstellungen zu erreichen, sondern Deutschlands Energiesektor im europäischen Markt wettbewerbsfähig zu halten und die Versorgungssicherheit der Stromabnehmer des Landes zu gewährleisten.

Deutschland: Ein Spitzenreiter im europäischen Vergleich

Tatsächlich ist Deutschland einer der Spitzenreiter, wenn es um den Ausbau von erneuerbaren Energien geht. Im Jahr 2014 wurden laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie rund 26 Prozent der Bruttostromerzeugung in Deutschland aus erneuerbaren Energien gewonnen. Das mag ausbaufähig klingen und das ist es auch, jedoch sind das schon jetzt 97.413 Megawattstunden an Elektrizität, die „grün“ produziert wurden. Der Statistik der „International Renewable Energy Agency“ kurz „IRENA“ zufolge produziert Deutschland damit knapp ein Fünftel der grünen Energie in ganz Europa. Die Standbeine der grünen Energie in Deutschland sind vor allem Photovoltaik, Windenergie und Biomasse. Wasserenergie und die Gewinnung von Strom aus Hausmüll sind vergleichsweise kleinere Faktoren. 

Um die Wettbewerbsfähigkeit im Handel und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung bewerkstelligen zu können ist vor allem eins wichtig: das Stromnetz muss ausgebaut werden. Das Stromnetz Deutschlands bildet das Herzstück der Energiewende. Erneuerbare Energien müssen vom Produzenten zum Verbraucher gelangen.  Es existiert zwar bereits ein gut ausgebautes Stromnetz aus mehr als 35.00 Kilometern Übertragungsnetz, das für den Transport von Höchstspannung über große Distanzen innerhalb Deutschlands zuständig ist, und rund 1,7 Millionenkilometern Verteilernetz, was für die Verteilung des Stroms an die Verbraucher zuständig ist, jedoch ist dieses Netz zu starr für die Ansprüche der erneuerbare Energien.

Netzausbau ist unvermeidlich

Vor allem zunehmende Stromschwankungen, die mit dem Einsatz von  Erneuerbaren einhergehen, machen den Ausbau des Stromnetzes unvermeidlich. Ein Kohle- oder Kernkraftwerk liefert eine kontinuierliche Menge Strom oder kann gegebenenfalls an Bedarfsschwankungen angepasst werden. Wind- und Sonnenenergie hingegen sind nicht konstant, sondern fluktuieren. Entsprechend fluktuiert auch die Einspeisung ins Stromnetz. Der Wind weht nicht immer und auch die Sonne scheint nicht immer. Schon jetzt hat das Stromnetz gerade im Norden Deutschlands mit den Schwankungen des Ökostroms zu kämpfen. Immer wieder müssen Umspannwerke ihre Leistung reduzieren, da sie die anfallenden Strommengen nicht handhaben können und Windparks werden vom Netz genommen, weil es keine Möglichkeit gibt, den produzierten Strom ins Netz zu speisen ohne eine Überlastung zu riskieren. Der Netzausbau geht bei weitem langsamer voran als der Bau von Windparks und Photovoltaikanlagen. Gerade die Vernetzung von Nord- und Süddeutschland mit Hochleistungsleitungen, wie den für das Jahr 2022 geplanten “Südlink“, ist wichtig, da mit dem Wechsel zu erneuerbaren Energien die Hauptstromproduzenten im Norden Deutschlands angesiedelt, die größten Verbraucherzentren jedoch im Süden zu finden sind.   

„SmartGrid“ und Speichermethoden  

Das Stromnetz muss lernen, wie es sich an die unausweichlichen Stromschwankungen anpassen und Stromüberschüsse innerhalb Deutschlands im Netz verteilen kann. Ein „intelligentes Stromnetz“ was sich an Stromschwankungen anpassen, Überschüsse auf Speicher verteilen und wenn nötig wieder ins Netz einspeisen kann, wird „SmartGrid“ genannt. In der Theorie soll solch ein Netz Energieengpässe automatisch erkennen und ausgleichen. Jedoch ist es noch ein weiter Weg, bis ein „SmartGrid“ in Deutschland Realität werden kann. Schon unsere Energiespeichermethoden reichen dafür nicht aus. Die größten existenten Energiespeicher, die es derzeit gibt, sind Wasserpumpspeicher. Dort werden große Mengen Wasser durch Pumpen auf ein höheres Niveau, etwa einen Berg, befördert. Die durch die Wasserpumpen verbrauchte Energie ist nun in Form von potenzieller Energie des Wassers gespeichert. Wenn also Energie von Nöten ist, wird das Wasser durch Turbinen wieder abgelassen, die wiederum Energie erzeugen, welche dann in das Stromnetz eingespeist werden kann. Diese Methode ist bewährt und auch die einzige, die in Deutschland in Nennenswerten Ausmaße vorhanden ist. Dennoch reichen die Vorhandenen Speicherkapazitäten Deutschlands nicht aus um das Stromnetz flexibel genug zu halten und so eine Versorgungsstabilität auch in Zukunft gewährleisten zu können. Innovative Speicherverfahren müssen entwickelt und das Netz weiter ausgebaut werden. Fest steht, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Jahr für Jahr werden Gelder für den Netzausbau bereitgestellt. Alleine im Jahr 2014 wurden Vier Milliarden Euro der Netzbetreiber in dessen Ausbau investiert, um das Stromnetz für die Zukunft mit erneuerbaren Energien zu wappnen.   

"Die Nordseeküste im Klimawandel" von Friederike Koerdt

Der durch den Menschen herbeigeführte Klimawandel hat viele Folgen. Eine davon ist der weltweite Anstieg der Meeresspiegel. Seit 1992 sind laut neuesten Messungen der NASA durchschnittlich 8 Zentimeter hinzugekommen, in einigen Regionen sogar bis zu 25 Zentimeter.

Was sich im ersten Moment gar nicht so schlimm anhört, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen allerdings als sehr gefährlich, auch an der Nordsee. Denn  bereits eine Steigerung um einige Zentimeter bedroht die Zukunft unseres Wattenmeeres und kann schon jetzt verantwortlich sein für schwerwiegende Sturmfluten .

Grund für den Anstieg des Meeresspiegels ist  das Abschmelzen der Gletscher in der Antarktis und auf Grönland. Verantwortlich dafür ist der globale Temperaturanstieg durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Das Eis schmilzt und fließt in die Ozeane. Zusätzlich dazu hat wärmeres Wasser ein größeres Volumen und braucht daher mehr Platz.

Als Folge werden unter anderem die Sturmfluten an Deutschlands Küsten stärker. Im Vergleich: 1962 hat eine heftige Sturmflut Hamburg fast komplett unter Wasser gesetzt, heute würde sie noch etwa 10 Zentimeter höher aufschlagen und wesentlich weiter landeinwärts Schäden anrichten.  Abgesehen von den Sachschäden wird bei einer solchen Flut sehr viel Sand vom Land ins Meer gespült, was auf Dauer dafür sorgt, dass Nordseeküste und Nordseeinseln immer kleiner werden.

Der Klimawandel hat ebenfalls starken Einfluss auf die Artenvielfalt der Nordsee. Durch die Erwärmung des Wassers ziehen sich heimische Tierarten wie der Kabeljau in kühlere Gebiete zurück, während sich Warmwassertierarten wie die von Züchtern eingeschleppte Pazifische Felsenauster immer weiter vermehren. Problematisch ist das, weil die Auster die heimische Miesmuschel verdrängt und somit Krebsen, Vögeln und anderen Arten die Lebensgrundlage entzogen wird.

Die Erwärmung der Atmosphäre hat auch wesentlichen Einfluss auf die Gletscherschmelze: Forscher der NASA prognostizieren noch in diesem Jahrhundert einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu einem Meter. Zwar werden aktuell die Deiche an der Nordseeküste erhöht, allerdings ist der Küstenschutz einer solchen Dimension der Veränderung in absehbarer Zeit nicht mehr gewachsen. Dann müssen neue Strategien erarbeitet werden, um Deutschlands Küste und das Weltnaturerbe Wattenmeer dauerhaft zu schützen.

Die Erhaltung beider liegt allerdings nicht ausschließlich in der Verantwortung des Küstenschutzes. Jeder kann selbst dazu beitragen, indem er seinen CO2-Fußabdruck verringert und vor allem unnötigen CO2-Ausstoß vermeidet. Lieber mal mit den Rad zur Arbeit als mit dem Auto oder lieber mal beim Einkaufen die Plastiktüte gegen eine mitgebrachte Stofftasche eintauschen. So kann man seinen Beitrag leisten, um das beliebte Urlaubsziel Nordseeküste zu schützen.

"Nachhaltigkeit in der Mode" von Njema Drammeh

Immer mehr Menschen beginnen, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen und möchten etwas verändern, ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Erste Schritte in ein nachhaltigeres Leben beginnen oft damit, das Auto öfter stehen zu lassen und kurze Strecken zu Fuß zu gehen oder aufs Rad zu steigen. Im Einkaufswagen landen regionale Produkte aus ökologischem Anbau und bei der Beleuchtung greifen Umweltbewusste verstärkt zu LED-Technologie. Aber wie sieht es mit Kleidung aus? Während in vielen Bereichen das Prinzip des Wegwerfens und Neukaufens gegen Nachhaltigkeit eingetauscht wird, findet die Sensibilisierung für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Modebranche nicht ausreichend statt.

Fast Fashion ist Mode, die kurze Zeit angesagt ist und so schnell, wie sie erschienen ist, wieder aus den Läden verschwindet. Nach wenigen Wochen ist die nächste Kollektion auf der Verkaufsfläche. Der Lebenszyklus dieser Textilien ist kurz. Das Motto: neuer, schneller, billiger.

Während sich die einen über ihre Shopping-Ausbeute freuen, leiden die anderen unter miserablen Arbeitsbedingungen. Dass der Konsum über dies hinaus auch die Gesundheit, die Umwelt und das Klima belastet, wissen viele nicht oder blenden es bewusst aus.

Farbstoffe, Bleichmittel, Weichmacher und andere Substanzen werden während der Produktion eingesetzt. Diese Chemikalien gelangen in das Grundwasser, die Nahrung und die Luft und gefährden die Umwelt massiv, wie verschiedene Studien belegen. Flüsse und Ozeane verkraften die Mengen an Schadstoffen nicht, können sie nicht abbauen. Dadurch wird pflanzliches Plankton in den Weltmeeren vernichtet, welches eines der wichtigste Sauerstoffproduzenten ist.

Die Folgen für die Anwohner und Arbeiter der Textilfabriken sind verheerend. Tagtäglich setzen sie sich einem hohen Risiko aus. Die Chemikalien haben unter anderem hormonelle Wirkungen, können bei Mensch und Tier Unfruchtbarkeit oder Krebs auslösen.

Konsumenten, die nicht in unmittelbarer Nähe zu den Fabriken wohnen, seien gewarnt: Trotz räumlicher Entfernung zu den Produktionsstätten setzen sie sich durch das Tragen der Textilien gesundheitlichen Risiken aus und sind durch ihren Konsum mitverantwortlich für die Umweltschäden in Ländern wie Indien, China und Bangladesch.

Aromatische Amine, die in einigen Farbstoffen enthalten sein können, können durch Schwitzen aus dem Stoff gelöst werden und Hautallergien auslösen. Besonders bei Sportkleidung, Socken und Schuhen werden laut Greenpeace oft antibakterielle Substanzen eingesetzt, die die Geruchsbildung verhindern sollen. Dadurch können aber Allergien und resistente Keime entstehen, gegen die selbst Antibiotika unwirksam sind.

Die EU ist sich der Risiken längst bewusst und hat viele dieser Substanzen verboten. Da die meisten Textilien allerdings aus Nicht-EU-Staaten importiert werden – über 90 Prozent unserer Kleidung wird in Asien produziert - gelangen die Stoffe trotzdem auf unsere Haut, in unser Wasser und damit in unseren Kreislauf.

Wer also nachhaltiger konsumieren möchte und sich für die Zukunft seiner eigenen Kinder einsetzen will, sollte vielleicht nicht nur ans Auto denken, sondern auch in „gute“ Kleidung investieren. Designer wie Stella McCartney oder Michalsky sind sich ihrer Verantwortung bewusst und setzen mit ihrer Mode klare Zeichen für Nachhaltigkeit. Aber auch Online-Shops wie Hessnatur oder Armedangels bieten nachhaltige Mode zu einem fairen Preis an. Oft wird die gesamte Kollektion in Deutschland produziert, sodass gute Arbeitsbedingungen gesichert sind und lange Transportwege vermieden werden. Bei der Herstellung werden zertifizierte Bio-Materialien verwendet und nur natürliche oder unbedenkliche Stoffe eingesetzt. Die Kleidungsstücke sind oft zeitlos und halten damit nicht nur einen Winter, sondern auch mal drei oder vier Saisons. Allerdings gibt es rund 20 verschiedene Gütesiegel, die nicht alles halten, was sie versprechen. Wer sichergehen will, dass der neue Pullover oder die neue Jeans wirklich giftstofffrei und sozialverträglich produziert wurden, kann sich vor allem auf das Textilsiegel Global Organic Textile Standard (GOTS) verlassen. Je mehr Leute in nachhaltig hergestellte Mode investieren, desto preiswerter wird sie auf Dauer auch.

Aber auch diejenigen, die meinen, sich fair und sauber hergestellte Mode nicht leisten zu können, haben die Möglichkeit, etwas zu verändern und ihren Beitrag zu leisten. Tauschbörsen wie Kleiderkreisel oder Secondhand-Shops ermöglichen es, Kleidung zu tauschen, anstatt sie immer wieder neu zu kaufen und somit den ständigen Konsumkreis zu unterbrechen.


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