In der Nominierungsjury: Prof. RP Kahl in der Jury des Förderpreises für Filmkunst beim Preis der Nationalgalerie

Gemeinsam mit dem Preis der Nationalgalerie vergibt die Deutsche Filmakademie seit 2011 den Förderpreis für Filmkunst. Die Auszeichnung richtet sich an junge Filmemacher/-innen, die mit experimentellen Filmen die Grenzen zur Kunst berühren, mit den klassischen Konventionen Spiel- und Dokumentarfilm brechen oder Formen des experimentellen Videos und der Medienkunst integrieren. In der Jury: RP Kahl, studiengangsleitender Professor im Studiengangs Schauspiel und Inszenierung.

Prof. RP Kahl in der Nominierungsjury: Förderpreis für Filmkunst beim Preis der Nationalgalerie - Gemeinsam mit dem Preis der Nationalgalerie vergibt die Deutsche Filmakademie seit 2011 den Förderpreis für Filmkunst. Hier: Prof. RP Kahl im Gespräch mit den nominierten Künstlern.

Prof. RP Kahl (li.) im Gespräch mit den Nominierten des Förderpreises für Filmkunst

Der Jury zur Nominierung gehört ebenfalls der studiengangsleitende Professor für den Studiengang Schauspiel und Inszenierung RP Kahl an. Die weiteren Mitglieder der Nominierungsjury waren Irene von Alberti, Jule Bartram, Maximilian Haslberger, Sigrid Hoerner, Anette Kuhn, Tom Schreiber, Jakob Weydemann und Rosa Hannah Ziegler.

Die nominierten vier Filmemacher/-innen für den Förderpreis für Filmkunst beim Preis der Nationalgalerie sind:

Maman Maman Maman, 2019, 37’
Lucia Margarita Bauer

Imperial Valley (cultivated run-off), 2018, 14‘
Lukas Marxt

Final Stage, 2017, 27’
Nicolaas Schmidt

Happy Happy Baby, 2016, 20’
Jan Soldat

Am 15. August fand die Eröffnung der Ausstellung im Hamburger Bahnhof statt. Bis zur Preisverleihung am 12. September werden alle vier nominierten Filme in voller Länge gezeigt. Nach der Preisvergabe wird der Gewinnerfilm bis Mitte Februar zu sehen sein. Am 18. August fand zudem ein Artist-Talk im Hamburger Bahnhof statt.

Prof. RP Kahl führte dieses Gespräch mit den Nominierten des Förderpreises für Filmkunst in seiner Funktion als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Filmakademie und als Mitglied der Nominierungsjury.

Weitere Infos zu den nominierten Filmen:

FINAL STAGE
Regie: Nicolaas Schmidt
Deutschland 2017, 27 Minuten

SYNOPSIS: Ein Jugendlicher läuft weinend durch ein Einkaufszentrum. Die Plansequenz in einem minimaldramaturgischen Adoleszenz-Spielfilm. In der 12-minütigen Fahrt begleitet ihn die Kamera seitlich und fängt dabei spontan minimale Ereignisse und kleinste Gesten der ebenfalls anwesenden Passanten ein. Die betont lange Einstellung, eine Bildsprache zwischen
dokumentarischer Beobachtung und subtiler Inszenierung sowie die Diskrepanz von Bild und
Soundcollage lassen die Situation als fragiles Konstrukt einer vertrauten Realität erscheinen.

VITA Nicolaas Schmidt: Jahrgang 1979, lebt und arbeitet in Hamburg. Er studierte Visuelle
Kommunikation/Film und Freie Kunst (Mixed Media, Time Based Media) an der Hochschule für
Bildende Künste Hamburg. Seine Arbeiten werden international bei Filmfestivals und
Ausstellungen gezeigt. ‚Final Stage‘ ist ein Abschlussfilm und wurde mit dem First Steps Award
2017 in der Kategorie „Mittellanger Spielfilm“ ausgezeichnet.


HAPPY HAPPY BABY
Regie: Jan Soldat
Deutschland 2016, 20 Minuten

SYNOPSIS: In seinem Kurzfilm ‚Happy Happy Baby‘ widmet sich Jan Soldat dem Phänomen der
Adult Babys und begleitet Erwachsene, die sich in die Kleinkindzeit zurück versetzen. Sie tragen
Windeln, spielen mit Bauklötzchen, trinken aus dem Fläschchen und lassen sich
Gutenachtgeschichten vorlesen, bevor sie mit dem Schnuller im Mund in einem
überdimensionalen Kinderbett einschlafen. Sie finden einen Zufluchtsort, in dem Sex keine Rolle spielt, sondern das Ausleben der eigenen Wünsche und Vorlieben im Mittelpunkt steht.

VITA Jan Soldat: geboren 1984, produzierte seit 2006 Kurzfilme bei der Chemnitzer Filmwerkstatt und begann 2008 das Studium der Film- und Fernsehregie an der HFF Konrad Wolf in Potsdam. Sein Fokus liegt auf dokumentarischen Filmformaten. Mit seinen Filmen wurde er bereits mehrfach u.a. zur Berlinale, Oberhausen, Rotterdam und Viennale eingeladen. In seinen Werken blickt Jan Soldat auf individuelle Sexualitäten und Beziehungsmodelle, die manch einem fremd erscheinen mögen und zeigt auf, dass man über Kategorien hinweg die Menschlichkeit im Menschen sehen kann.

IMPERIAL VALLEY (CULTIVATED RUN-OFF)
Regie: Lukas Marxt
Deutschland 2018, 14 Minuten

SYNOPSIS: Das Imperial Valley ist eine der bedeutendsten Regionen industrieller
landwirtschaftlicher Produktion Kaliforniens. Es wird durch ein riesiges Bewässerungssystem, das den Colorado-River anzapft, wie auch den eigens dafür angelegten All-American Canal, urbar und für die landwirtschaftliche Super-Produktion verwertbar gemacht. Das Imperial Valley wird zum „Uncanny Valley“, zum Ort der noch nicht oder gerade nicht mehr „natürlich“ und dadurch unheimlich erscheint. Die Landschaft nach der Landschaft (oder ihrer mediatisierten
Repräsentation) ist ein geometrisches Konzept von Linien, Flächen, Punkten und Farbflecken,
egal ob belebten oder unbelebten Ursprungs. Von Menschen gemacht, ist für diese darin jedoch
kein Platz mehr, weder ontologisch, noch tatsächlich. Die Post-Apokalypse muss gar nicht mehr
stattfinden, wir sind bereits mitten drin.

VITA Lukas Marxt: Der österreichische Künstler Lukas Marxt, Jahrgang 1983, studierte u.a. Audiovisuelle Gestaltung an der Universität für künstlerische Gestaltung in Linz, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und an der Kunsthochschule für Medien Köln. Er widmet sich in seiner Arbeit sozialpolitischen und ökologischen Strukturen im Kontext des Anthropozän. Dabei kombiniert er dokumentarische und konzeptuelle Ansätze, nutzt unterschiedliche Medien und schafft so abstrahierte und dekonstruierte Bildräume.

MAMAN MAMAN MAMAN
Regie: Lucia Margarita Bauer
Deutschland 2019, 37 Minuten, joon film

SYNOPSIS: Viel zu selten erleben wir den Prozess des Abschiednehmens als absurde, urkomische Geschichte. Lucia Margarita Bauers Großmutter Babet Berger starb am 6. April 2012. Die Geschichte ihrer halb-kriminellen Überführung vom schwäbischen Riedlingen via Paris ins
französische Grab ihres Ehemanns war Ausgangspunkt zum Film ‚Maman Maman Maman‘, mit
dem sie sich auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln begibt. Der Film ist ein kaleidoskopartiges Anti-Portrait, dessen Partikel in alle Richtungen streben, dessen Zentrum aber bis zum Schluss obskur bleibt – über das Leben und die tiefe Verwandtschaft von Tragik und Komik, Slapstick und Tod.

VITA Lucia Margarita Bauer: geboren 1979, zieht bereits mit 13 von Zuhause aus, lebt in Berlin
und begibt sich mit 14 auf eine Reise in die USA. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Irland
zieht sie mit 16 nach Ulm und beendet mit 22 Jahren ihre Goldschmiedelehre. Ohne gültigen
Schulabschluss geht sie für ein Jahr nach Strasbourg an die „Ecole des Beaux Arts“ und führt
später das Studium in Berlin fort, mit dem Abschluss im Fachbereich Experimentelle
Mediengestaltung. Sie kuratierte zahlreiche Ausstellungen in Berlin, u.a. in der Santa Lucia
Galerie der Gespräche. Als Fotografin für diverse Magazine portraitierte sie u.a. Pan Daijing,
Albert Oehlen und Claude Lanzmann.


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