Julia Klann

Nachdem Julia Klann ihr Journalismus-Studium mit der Spezialisierung TV-Journalismus an der DEKRA | Hochschule für Medien abgeschlossen hat, arbeitet sie neben einem Master-Studium an der Humboldt-Universität noch zusätzlich als freie redaktionelle Mitarbeiterin bei Vincentz Network Berlin hauptsächlich für die hauseigenen Publikationen „Der Gelbe Dienst“ und den „InfoPool“. Dort wird über die aktuelle Nachrichtenlage berichtet und Wissen für die Topentscheider der Gesundheitspolitik zur Verfügung gestellt. Zuvor hatte Julia u. a. bei WELT N24 gearbeitet. Interview von: Evangelia Bouzmpa

Julia Klann mit Chefredakteuer Thomas Grünert am Computer

 

 

Wie bist Du zum Journalismus gekommen?

Ich wollte bereits zu Schulzeiten irgendwas mit Medien machen. Als kleines Mädchen wollte ich außerdem immer Schauspielerin werden (lacht) und hatte keine Scheu vor meiner Familie und meinen Freunden Vorträge zu halten und frei zu sprechen. In meiner Abitur-Zeit hatte ich auch an den Public-Relations-Bereich gedacht und mich an verschieden Universitäten schlau gemacht. Leider wurde ich für den Studiengang Kommunikationsmanagement nur in den Städten Leipzig und Mainz angenommen. Da ich aber gerne zurück zu den Wurzeln wollte, recherchierte ich in der privaten Schiene, wo ich auf die Studienangebote der DEKRA | Hochschule für Medien und den dortigen Journalismus-Studiengang stieß. Somit bin ich recht schnell von der PR-Schiene weggekommen. PR kann ich immer noch machen, denn mit einem Journalismus-Studium hast du die Möglichkeit auch in diesem Beruf zu arbeiten. Aber guten Journalismus als gelernter PR-Fachmann zu machen, ist schwierig.

Warum TV-Journalismus?

Die Spezialisierung TV-Journalismus stand für mich am Beginn des Studiums fest, weil ich die Möglichkeiten der Hochschule bezüglich der Förderung in Rhetorik, Filmschnitt und Co früh erkannt hatte. Zusätzlich war es ein Vorteil privat zu studieren, da es gerade im Moderationsbereich wichtig ist, in möglichst kleinen Gruppen zu arbeiten. Ich habe bereits in den ersten Semestern festgestellt, dass mich die filmischen Elemente besonders interessieren und aus diesem Grund habe ich nicht wirklich in der Schwebe gestanden, ob es in Richtung Online oder TV gehen soll.

Braucht man als Journalistin ein dickes Fell?

Auf jeden Fall! Das muss ich mir an manchen Tagen und so manchen Themen besonders anlegen. Es fällt mir natürlich schwer, bestimmte Themen nicht nah an mich heranzulassen und mit nach Hause zu nehmen. Das kann gut sein, es kann aber auch schlecht sein. Da möchte ich noch an mir arbeiten, aber die Zukunft wird es von alleine bringen. Der Mensch hat einen Selbstschutz und den sollte er einsetzen, wenn er gebraucht wird. Das wird besonders deutlich, wenn ich an meine Zeit bei WeltN24 GmbH im Bereich der Nachrichtenzentral- und Politikredaktion, Gesprächs- und Newsplanung zurückdenke, wo ich tagesaktuell auch viel mit skandalösen und extremen Situationen zu tun hatte.

Wie bereitest Du Dich auf schwierige Sachverhalte vor und wie entwickelst Du das richtige Feingefühl?

In der Regel wirst du im Nachrichtenjournalismus einfach ins kalte Wasser geschmissen. Das bedeutet, du hast relativ wenig Zeit, dich auf die kommenden Ereignisse einzustellen. Ich denke, dass es mit der Persönlichkeit und der eigenen Aufgeschlossenheit zu tun hat, ob du mit Menschen relativ schnell warm wirst. Ich hatte diesbezüglich keine Probleme, allerdings bin ich bei einigen Themen logischerweise mit einer gewissen Sensibilität vorgegangen. Da macht es auch keinen Unterschied, ob man Anfänger oder schon länger im Business ist. Edward Gibbon gab mal den berühmten Kommentar: Man ist zunächst erleichtert über das Vollbrachte. Dann ergreift einen die Melancholie, dass man sich von einem vertrauten Begleiter verabschiedet hat.

War die DEKRA Hochschule ein solcher?

Absolut! An wen stützt Du Dich jetzt, um Deine Ideen oder Visionen zu verwirklichen? Wenn ich an das Wort „Stütze“ denke, kommt mir sofort meine Familie in den Sinn. Während meiner Zeit an der DEKRA | Hochschule habe ich mich stark an meine Familie gestützt, an meinen Freund, an meine Freunde. Als ich nach der Abi-Zeit mit achtzehn Jahren nach Berlin gekommen bin, wurde ich von vielen neuen Eindrücken der Stadt überwältigt.

Sinn, Geld oder Spaß? Was bedeutet Dir der Beruf?

Eigentlich die Mischung aus allem, wobei Geld nie wirklich vordergründig war.

Was braucht es, um jeden Tag aufs Neue Kreativität zu schöpfen? Schreibst Du privat?

Nein, privat schreibe ich nicht. Ich studiere, arbeite nebenbei freiberuflich in dem Verlag Vincentz, lerne Spanisch, gehe zum Sport und lege Wert auf Privatleben. Daher ist es einfach eine Zeitfrage. Was ich aber in der Zukunft sehr gerne machen möchte ist, mehr in Richtung Film zu gehen. Darin würde ich gerne mehr Zeit investieren, weil ich auch Spaß hinter der Kamera habe, sei es im Schnitt oder in der Ideenentwicklung. Um auf deine Frage zurückzukommen: Ich denke, es ist von Vorteil sich den Blick eines Touristen beizubehalten bzw. bewusst anzuwenden. Nichts sollte man als selbstverständlich empfinden, sondern mit offenen Blick durch die Welt gehen. Da muss ich an John Kantara denken, der sagte: „Die Geschichten liegen auf der Straße“. Ich weiß nicht, wie oft er das gesagt hat (lacht). Aber letztlich muss man sich eingestehen, dass er Recht hatte. In diesem Sinne, liebe Grüße an John.

Was ist guter Journalismus?

Ein Ideal! Von Neutralität zu sprechen ist so eine gewisse Frage, denn wirklich neutral kann niemand sein. Ich glaube guter Journalismus ist, wenn man dranbleibt, wenn man sich mehrere Meinungen einholt. Wichtig ist natürlich auch Unterschiede zu kennen. Will ich eine Reportage machen oder einen Nachrichtenbeitrag – das sind die Fragen, die man sich stellen sollte. Der Zeitfaktor spielt dabei eine immense Rolle. Besonders gefallen mir Berichte über unbequeme Themen, d. h., wenn du spezielle Reportagen hast zu Themen die Tabubrüche bedeuten, z. B. Depressionen.

Was beschäftigt Dich derzeit besonders?

Wenn man sich Amerika anschaut, fasst man sich an den Kopf und denkt „schlimmer kann es nicht werden“. In Zeiten des IS und in denen ein Donald Trump mit dem Ziel eines Mauerbaus an die Macht kommt, glaubt man kein Licht mehr im Tunnel zu sehen. Ich frage mich schon, wo das noch hinführen soll? Die Frage hat es in sich, hoffentlich wacht die Welt irgendwann auf.

Welchen Ratschlag, welche Regel oder welche Routine befolgst Du?

Auch wenn es nicht immer einfach ist, sollte man wirklich wenig vor sich herschieben. Bei bestimmten Deadlines geht es auch gar nicht anders - nach dem Motto „Friss oder stirb!“ Ich konzentriere mich auf ein optisch gelungenes Design für Content. Damit meine ich die Gestaltung, das Layout. Auch wenn das mitunter Zeit kostet, aber das stellt für mich auch eine Motivation dar, um an das Thema heranzugehen.

Wie wichtig sind Kontakte?

Enorm wichtig. Ich muss sagen, wenn du einen kleinen Fuß in der Branche hast, spricht sich das rum und es ist nicht unmöglich an die Menschen heranzutreten. Man muss den ersten Schritt wagen und konsequent bleiben. Und letztlich sind das Menschen, die sich über junge Leute freuen, die ambitioniert sind und in diesem Bereich arbeiten wollen.

Wie geht es weiter?

Darauf bin ich selbst gespannt! Ich könnte mir als nächste Episode nach dem Master vorstellen zu reisen, vielleicht im Ausland auch ein Praktikum zu absolvieren. Aber viel weiter plane ich eigentlich nicht. Was ich allerdings im Hinterkopf habe ist, mich für ein Praktikum beim Radio zu bewerben. Da startet man seine Frühschicht um vier oder fünf Uhr morgens und kann sich am Nachmittag in die Sonne legen (lacht).


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