Internationaler Workshop "Digital Media in Subsaharan Africa"

Als die internationalen Gäste zum Auftakt des viertägigen Workshops „Digital Media in Subsahara Africa“ u. a. aus Kenia und Ghana am Abend des 5. März 2015 anreisten, um an einem Get Together der besonderen Art teilzunehmen, stimmte nur eine Sache nicht ganz: Der Regen.

Als die internationalen Gäste zum Auftakt des viertägigen Workshops „Digital Media in Subsahara Africa“ u. a. aus Kenia und Ghana am Abend des 5. März 2015 anreisten, um an einem Get Together der besonderen Art teilzunehmen, stimmte nur eine Sache nicht ganz: Der Regen.

Zum Auftakt verkuppelt

Von Catalina Grobe Fernandes, Studentin Journalismus

Es war einfach zu kalt in Berlin an diesem Abend. Da nutzte es auch nichts, dass tagsüber frühlingshafter Sonnenschein die Stadt erwärmte. Als Amb. Dr. Margaret Ivy Amoakohene aus Ghana, Dr. Wambui Kiai und Prof. Levi Obonyo aus Kenia vor dem Reichstag eintrafen, um gemeinsam mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen die Kuppel hinaufzusteigen, waren sie bereits vom kalten Regenschauer überrascht und froh, den Sicherheits-Check im Trockenen zu absolvieren. Wo ein Heißgetränk gut getan hätte, sollte zunächst die Aussicht auf das abendliche Berlin für Entschädigung sorgen, denn den Gästen bot sich ein wundervoller Rundumblick auf die Bundeshauptstadt. Und wie so oft, kam das Unverhoffte dann doch noch: Der Regen ließ nach, der Abendhimmel klarte auf. Beste Voraussetzungen für einen anschließenden Spaziergang zum und durch das Brandenburger Tor. Ziel war das nahegelegene Café Einstein, wo es dann endlich auch das erhoffte Warm- und später auch das ein oder andere Kaltgetränk gab.

Zu den Gästen des Workshops gesellten sich an diesem Abend die Bundestagsabgeordneten Dr. Daniela De Ridder und Dr. Karamba Diaby, die ihren Verantwortungsbereich im Bildungswesen haben und daher für das Gesamtprojekt wichtige Partner sein können. Trotz der späten Stunde (oder gerade deswegen) herrschte eine ausgelassene Stimmung. In Vorfreude auf den ersten Workshop-Tag an der DEKRA Hochschule Berlin verließen alle das Cafe bestens gelaunt, denn man kam nicht nur zusammen, sondern „verkuppelte“ sich bereits zu einem Team.

Wissenschaft + Teamgeist + tolle Organisation = A kind of perfect day

Am 6. März 2015 hat ein ganztägiger wissenschaftlicher Round-Table an der DEKRA Hochschule Berlin stattgefunden, der neben der Profilierung eines Forschungsthemas vor allem auch die Internationalisierung der Hochschule unter Beweis stellte.

“I would like to extend our deep appreciation for the excellent warm hospitality that was extended to us by the FUB and DEKRA group. It certainly continues to add to Berlin as a favourite choice of destination!” Mit diesen Worten bedankte sich Dr. Wambui Kiai, Direktorin der School of Journalism and Mass Communication der University of Nairobi für das, was in den vier Tagen zuvor in Berlin passiert war.

Von Daniela Kabisch, Studentin Journalismus

Im Fokus des gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Emmer, geschäftsführender Direktor des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin (FUB), organisierten Round Table standen Fragen nach der Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in diversen afrikanischen Ländern.  Das Forscherteam der DEKRA Hochschule Berlin  befasste sich dabei vorrangig mit dem vermeintlichen Zusammenhang der Nutzung von Information and Communication Technologies (ICTs) und der Stabilitätssicherung der Demokratie in Ghana. Vertreter großer afrikanischer Universitäten, der Freien Universität Berlin, des Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) und der DEKRA Hochschule Berlin trafen sich nach dem Get Together am Donnerstagabend zum ersten intensiven Arbeitstag in der DEKRA Hochschule Berlin, um ihre bisherigen Forschungsergebnisse zusammen zu tragen. Im Mittelpunkt des gesamten Workshops stand dabei übergreifend die Internationalisierung und kooperative Vernetzung aller Teilnehmenden, sowie eine Verbesserung der Länderkenntnisse untereinander. Die Ergebnisse werden in einen von Prof. Dr. Emmer gestellten Antrag auf Drittmittelförderung durch die Europäische Union einfließen, durch die weitere Forschung in diesem Themengebiet erfolgen kann.

Prof. Dr. Udo Bomnüter eröffnet den Workshop mit der Präsentation eines Papers zu der vom DAAD geförderten „Fact Finding Mission“, die 2014 von einem gemeinsamen Team der DEKRA Hochschule Berlin und der FUB durchgeführt wurde und zum Zustandekommen der Kooperation einen wertvollen Beitrag geleistet hat. An dieser "Fact Finding Mission“ nahmen Prof. Dr. Udo Bomnüter, Prof. Dr. Michael Beuthner und Prof. John Kantara und, über das Promos-Programm, die Journalismus-Studentin Inken Rutz teil. Begleitet wurden sie dabei von Prof. Dr. Martin Emmer und  Matthias Duchscherer von der FUB. Im Blickpunkt dieser ersten Forschungsreise stand die Frage nach der "Intereffication of Media and Democracy", die mit Experten verschiedener Hochschul- und Medieninstitute diskutiert wurde. Neben Erkenntnissen über den ghanaischen Mediensektor und politisch-gesellschaftliche Strukturen präsentierte Prof. Bomnüter als weiteres wichtiges Ergebnis die geschaffene Grundlage für einen Student- und Faculty-Exchange, sowie Themenoptionen für zukünftige Bachelorarbeiten. Die Ergebnisse liefern zudem neue Ansatzpunkte für  2015 geplante Forschungsreisen.

Prof. Dr. Beuthner nahm im Anschluss ebenfalls Bezug zu den Ergebnissen der Fact Finding Mission, fokussierte dabei auf eine konkrete Forschungsidee, die eine sehr spezielle Konstellation der sogenannten „Floating Voters“ bei den Wahlen in Ghana betrifft. Studenten der DEKRA Hochschule Berlin bilden seit 2013 einen Teil der Forschungsgruppen. Sie werden bei ihren Projekten mit Geldern über den DAAD-Promos-Fördertopf unterstützt. Die in Afrika gesammelten Informationen sind für die Studenten meist Grundlage ihrer Bachelorarbeiten.

Beispielhaft dafür steht Pascale Bastian, Journalismus-Studentin aus dem Jahrgang 2012,  die am Freitag als dritte Vortragende die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit präsentierte. Sie ist bereits zwei Mal nach Ghana gereist und beschäftigt sich mit der Bedeutung der sozialen Medien für die politische Kommunikation in diesem Land. Gemeinsam mit Prof. Beuthner skizzierte sie dann konkrete Aspekte zu einem Forschungsvorhaben zu den Wechselwählern in Ghana.

Stellvertretend für die Universität Ghana referiert im Anschluss Amb. Dr. Margaret Amoakohene über den Internetzugang, die Nutzung und Verteilung der Handys und über die Schwierigkeiten in der Entwicklung des "ICT"-Sektors in Ghana. Erstaunliche 54,09% der 26,3 Millionen Einwohner Ghanas verfügen im April 2014 über mobiles Internet auf ihren Handys. Die größten Probleme bei der ICT-Nutzung seien der Zugang zu Elektrizität, der eingeschränkte Empfang, die hohen Kosten und eine zu geringe Netzwerkabdeckung in bestimmten, vor allem ländlichen Gegenden. Eine große Rolle spiele auch der Analphabetismus , so die ehemalige Direktorin der School of Communication der Universität Ghana Legon. Dr. Amoakohene gab zudem einen Überblick über alle Master-Arbeiten und Dissertationen zum Thema „ICT“, die an der School of Communication geschrieben wurden und gab damit interessante Einblicke in bestehende Forschungsergebnisse von studentischer Seite.

Neben Ghana stehen auch The Gambia und Kenia im Fokus einiger Forschungsarbeiten. Johanna Hartung von FU Berlin und Prof. Dr. Martin Emmer haben sich im Rahmen von Hartungs Masterarbeit mit der Nutzung der Mobiltelefone im westafrikanischen The Gambia befasst. Sie hat einige Male das Land besucht, um an möglichst viele Informationen zu gelangen, und führte dort rund 250 Interviews durch. In ihrer Untersuchung geht sie auf die verschiedenen Nutzungsweisen von Mobiltelefonen ein.Dienen Handys eher zu privaten, beruflichen oder individuellen Zwecken? Werden sie eher zum Telefonieren, zur Internetnutzung, zum SMS-Schreiben oder zum Spielen genutzt?

Prof. Dr. Martin Emmer hielt im Anschluss an die Präsentation von Johanna Hartung einen Vortrag über die Gesamtperspektiven zum Thema "ICTs in Subsahara Africa“ und unterbreitete dabei einen Vorschlag zur Strukturierung und Typologisierung von Forschungsarbeiten in Bezug auf Mikro-, Meso- und Makroebenen. Darauf folgte Prof. Levi Obonyo mit der Vorstellung seiner aktuellen Untersuchung. Diese befasst sich mit den ICT-Visionen für Kenia im Jahr 2030. Bis dahin sollen die Möglichkeiten ins Internet zu gelangen Netz zu empfangen erheblich verbessert werden, damit die Nutzung und der Zugang zu den ICTs zunimmt. Der Informations- und Kommunikationsfluss soll im ganzen Land ansteigen. Im Süden Kenias sind die Bedingungen für die Nutzung der ICTs gegeben, im übrigen Teil des Landes dagegen weniger, so der Leiter des Departments Communication  an der Daystar University of Nairobi.

Dr. Wambui Kiai, Direktorin der School of Journalism and Mass Communication der University of Nairobi, stellte ebenfalls verschiedene Masterarbeiten von Studierenden vor. Die abschließende Präsentation von Dr. Osvaldo Saldias und Rüdiger Schwarz vom Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) hob einmal mehr die Bedeutung des Internets hervor. Das HIIG entwickelt u. a.  digitale Netzwerkoptionen, um die Kooperationen zwischen Universitäten, Instituten und Fachbereichen länderübergreifend voranzutreiben und bestehende Kooperationsmöglichkeiten effektiv zu unterstützen bzw. zu erweitern. Alle Beteiligten wünschen sich den Aufbau eines projektgebundenen „Knowledge Center“, in dem alle bisherigen und zukünftigen wissenschaftlichen Arbeiten gesammelt und ausgetauscht werden können. Prof. Beuthner und Prof. Bomnüter werden diesbezüglich mit Rüdiger Schwarz und Dr. Osvaldo Saldias vom HIIG Gespräche über eine mögliche Kooperation aufnehmen. 

In der Mittagspause hatten die Gäste Gelegenheit, sich in den DEKRA Hochschule Berlin Räumlichkeiten umzusehen. Besonders aufgefallen sind ihnen dabei die Aufnahme, in der gerade ein Fotoworkshop stattfand, das Studio, die Bibliothek  und die Diversity-Collagen. Begeistert waren sie zudem von der familiären Atmosphäre.

Über das Wochenende fand ein Fortsetzung in kleinerer Gruppe an der FU Berlin statt, um konkrete Aspekte für einen Förderantrag aus EU-Mitteln zu identifizieren und zu besprechen. Bleibt zu hoffen, dass der Forschungsgruppe die Drittmittelakquise gelingt, damit das spannende Thema weiter vorangebracht werden kann, vor allem auch durch die Einbindung und Beteiligung von Studierenden. Insgesamt haben sieben Studierende der DEKRA Hochschule Berlin aus den Studiengängen Journalismus und Medienmanagement teilgenommen: Inken Rutz, Pascale Bastian, Katharina Behr, Catalina Grobe Fernandes, Daniela Kabisch, Sarah Langhoff und Daniel Scherling. Gut so, weiter so!

Fotos: Sarah Langhoff, Studentin Journalismus


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