Fake oder Fact? - Bericht von der Stakeholderkonferenz des BfR

Prof. Dr. Michael Beuthner war stellvertretend für die DEKRA | Hochschule für Medien zu Gast bei der 7. Stakeholderkonferenz des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zum Thema „Alles Fake? Wissenschaft im Zeitalter der vielen Wahrheiten“.

Insbesondere im Bereich der Risikobewertung ist die Vertraulichkeit und Integrität der Kommunikatoren Basis für die Weitergabe, Einordnung und Erläuterung valider Forschungsergebnisse, die u.a. zu politischen Entscheidungen führen.

Foto mit freundlicher Genehmigung von: BfR-Akademie, Monster Ztudio/Shutterstock.com, http://bfr.westream.biz/stakeholder/

Im Hörsaal des Kaiser-Friedrich-Hauses in Berlin diskutierten namhafte Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft, Politik, Medien und NGOs über Transparenz und qualitätsgesicherte Daten und Fakten in der Wissenschaft und über den Austausch mit den Journalisten. Im Zeitalter von Internet und Sozialen Medien sind Vertrauens- und Glaubwürdigkeit nicht nur im Journalismus Garant für Professionalität. Insbesondere im Bereich der Risikobewertung ist die Vertraulichkeit und Integrität der Kommunikatoren Basis für die Weitergabe, Einordnung und Erläuterung valider Forschungsergebnisse, die u.a. zu politischen Entscheidungen führen.

Zunehmender Zeit- und ökonomischer Druck führen zu Fehlern oder Halbwahrheiten

Und hierbei ist eine weitere Parallele zum Journalismus zu finden. Journalistinnen und Journalisten stehen heute unter zunehmenden Zeitdruck und laufen Gefahr, den Professionsstandard „Richtigkeit vor Schnelligkeit“ in sein unprofessionelles Gegenteil zu verkehren. Forscherinnen und Forscher stehen ihrerseits nicht minder unter einem starken und teils unverhältnismäßig hohen Publikationszwang. Zeitstress, Konkurrenz- und Reputationsdruck führen auch hier mindestens zu Fehlern oder Oberflächlichkeiten. Unseriöse Verlage nutzen das aus.

Ein anderer Druck auf die Wissenschaft lastet durch den zunehmenden Zwang zur wirtschaftlichen Anwendbarkeit ihrer Forschung. Und wenn dann irgendwann Wissenschaft auf Journalismus trifft, dann offenbaren sich noch weitere Probleme, die zu Fehlern in der Veröffentlichung führen könnten: Die Wissenschaft ist vielfach nicht in der Lage, ihre komplexen Themen mediengerecht zu formulieren. Es mangelt allzu oft an der Fähigkeit zu einer kommunikativen Transformationsleistung. Der Journalist ist meist der wissenschaftliche Laie, der aber den interessanten „Punkt“ und den Mehrwert für seine Zielgruppe formulieren muss. Übrigens: Fehler sind keine Fake News! Fehler können passieren, Fake News sind gewollte Falsch- oder Desinformationen.

Komplexe Themen verlangen partizipativen Dialog

Darüber hinaus wurde viel über den Begriff der „Unsicherheit“ in den Wissenschaften gesprochen und diskutiert. Nicht immer könne von der Wissenschaft Klarheit zu einem Problem oder einem Risiko verlangt werden. So ist z.B. ein Thema wie der Klimawandel derart komplex und werde mit einer Vielzahl von Analysemethoden und -modellen erforscht, dass eindeutige Aussagen dazu mindestens schwierig seien. Politik und Journalismus verlangten hingegen eindeutige Signale. Unsicherheit auf anderer Ebene bestünde darüber hinaus auch in der bisher überwiegenden Missachtung von Mehrfachbelastungen, Kombinationswirkungen und Kausalitätsnachweisen. Auf noch einer weiteren Ebene führe eine Krise der Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen zu Unsicherheiten bzgl. deren Evidenz.

Eine wichtige Aufgabe des Bundesinstituts für Risikobewertung ist die Risikokommunikation. Sie ist als kontinuierlicher und interaktiver Prozess definiert und durch einen Dialog mit verschiedenen Zielgruppen charakterisiert. Das Ziel eines partizipativen Dialogs besteht darin festzustellen, ob es bei den verschiedenen Ziel- und Interessengruppen Unterschiede in der Wahrnehmung, in der Bewertung und im Umgang mit Risiken gibt. Nur wenn die Werte und Normen, die den individuellen Risikobewertungen der Dialogbeteiligten zugrunde liegen, bekannt sind, nur, wenn die Unsicherheitsfaktoren bekannt sind, können andere Kommunikatoren aus Politik, Medien etc. besser darüber berichten bzw. damit umgehen. Benötigt werden hierzu auf Seiten der Wissenschaft gut ausgebildete Knowledge Broker.

Fazit: Gute Arbeit benötigt auf allen Seiten ausreichend Ressourcen, vom Fachwissen bis zu ausreichend Zeit. Für den Journalismus gilt: Nur gut ausgebildete Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten können hier die richtigen Bezüge herstellen, die richtigen Fragen stellen, die richtige Sprache finden und eine gelungene Transformation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit leisten.


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