Die „1968er Jahre“ – eine interdisziplinäre Tagung in Mainz

Professor für Film und Fernsehen Dr. Marcus Stiglegger besuchte letzte Woche die Tagung über den Einfluss des Jahres 1968 an der Universität Mainz.

Foto: Sascha Seiler 2018

Professor Dr. Marcus Stigleggers Vortrag thematisierte die Entwicklung des Genrekinos Ende der 1960er Jahre:

„1968 ist zur Chiffre für weltweiten Protest geworden. Ob in Deutschland, Frankreich, der Tschechoslowakei, den USA, aber auch in Japan und Mexiko rebellierte man gegen autoritäre Systeme und verkrustete Strukturen, gegen den Vietnamkrieg oder die Benachteiligung sozialer Randgruppen. Der Transfer der Proteste von den USA nach Europa und das Aufkommen neuer linker Gruppierungen sorgte für eine nationenübergreifende Solidarität. Längst gilt 1968 retrospektiv als globales Ereignis, als „the year that rocked the world“ (Kurlansky), dessen Interdependenzen, Wechselwirkungen und gegenseitige Einflüsse aus komparatistischer Perspektive noch lange nicht erforscht sind, doch gerade aus diesem Blickwinkel besonders interessant erscheinen. Dabei sind spezifisch nationale Entwicklungen ohne ihre internationale Kontextualisierung kaum denkbar, nicht zuletzt weil die Schriften Che Guevaras, Herbert Marcuses, Maos oder Jean-Paul Sartres und die international verstärkt aufkommende Underground-Literatur, die aus der Beat Generation erwachsen war, die Proteste in verschiedenen Ländern entscheidend prägten.

Und doch können die mit 1968 verbundenen Umbrüche nicht auf ein einzelnes Jahr reduziert werden, da die Jahreszahl mehr Symbol als historischer Marker ist. Tatsächlich handelt es sich bei 1968 um ein mehrjähriges Ereignis, wie es im französischen Begriff „les années 68“ zum Ausdruck kommt (vgl. Siegfried). Dies impliziert – hier soll bei der Tagung ein besonderer Schwerpunkt liegen – auch das Aufkommen der Gegenkultur Mitte der 60er Jahre und das mit dem Altamont-Festival und den Manson-Morden symbolisch behaftete, dunkle Ende der Revolte, welches das Jahr 1969 markiert, wie es auch Joan Didion in ihrem Essay The White Album beschreibt.

Welche transnationalen Gemeinsamkeiten zeigen sich in Kultur, Literatur, Film und Musik jener Ära? Welche transnationalen Einflüsse, Rezeptionen, Kooperationen etc. lassen sich erkennen? Wie wirkt sich in diesem Rahmen das transmediale Element aus, das die Literatur, aber auch andere Künste in jener Zeit prägte? Und nicht zuletzt: Kann der historische Marker ‚1968‘ auch für Literatur bzw. Kultur retrospektiv als Zäsur angesehen werden oder bleibt die Jahreszahl lediglich ein Symbol für eine Zeit gesellschaftlichen Umbruchs?“ (Sascha Seiler / Martina Kopf).

Die Tagung vom 29. -30. November 2018, veranstaltet durch die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wartete mit zahlreichen renommierten Wissenschaftler/-innen auf. Das Symposium gipfelte in einer Podiumsdiskussion mit Thomas Anz, Ernst Hofacker, Arno Frank und Johannes Ullmaier und Moderator Sascha Seiler.

Film und Fernsehen Professor Stiglegger diskutierte das Jahr 1968 als Schlüsseljahr für den phantastischen Film und diskutierte am Beispiel von Roman Polanskis ‚Rosemaries Baby’ die Verflechtungen von Hollywood, Popkultur und Counter Culture.

Im kommenden Jahr soll eine Publikation zur Tagung erscheinen.

 

 

 

 


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