Bericht vom Press Freedom Award 2019

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen sind die renommierten PRESS FREEDOM AWARDS in diesem Jahr in Berlin vergeben worden. Prof. Dr. Michael Beuthner und Stipendiatin Franka Schönwandt (Studiengang Journalismus und PR 2018) waren bei der festlichen Preisverleihung in den Kammerspielen des Berliner Theaters dabei.

PRESS FREEDOM AWARDS 2019. Die Preisträgerinnen aroline Muscat, Eman al-Nafjan und Pham Doan Trang.

Der PRESS FREEDOM AWARD 2019 ist weiblich

Mit den Auszeichnungen ehrt die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen seit 27 Jahren Medienschaffende aus der ganzen Welt, die sich besonders um die Pressefreiheit verdient gemacht haben – und zwar in drei unterschiedlichen Kategorien. Wer hat großen Mut bewiesen? Wessen Arbeit hatte besondere Wirkung? Und wer hat trotz schwerster Bedingungen unabhängig berichtet?

Den Preis für unabhängigen Journalismus erhielt die Malteserin Caroline Muscat. Nach dem Mord an ihrer Kollegin Daphne Caruana Galizia 2017 gründete Muscat die unabhängige Investigativ-Website The Shift News, die unter anderem weiterhin zu Korruption recherchiert. Trotz massivem Druck macht sie aber unbeirrt weiter. Ihren Preis für Unabhängigkeit widmete sie der verstorbenen Caruana Galizia.

Für ihren Mut wurde die saudi-arabische Bloggerin und Journalistin Eman al-Nafjan geehrt. Sie konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen, da sie zwar aus der Haft in Saudi-Arabien entlassen wurde, das Land jedoch nicht verlassen darf. Al-Nafjan hatte sich massiv dafür eingesetzt, dass Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen und mehr Rechte bekommen. Al-Nafjan gründete die Seite SaudiWoman.me und schreibt für Zeitungen wie den Guardian und die New York Times.

Die Vietnamesin Pham Doan Trang wurde mit dem Press Freedom Award für besonders wirkungsvollen Journalismus ausgezeichnet. Sie setzt sich für die Bürgerrechte in ihrem Land ein. Die Gründerin des Magazins Luât Khoa und Redakteurin bei thevietnamese.org berät ihre Mitmenschen zudem juristisch und tritt für Minderheiten ein. Dafür wurde die Journalistin, Bloggerin und Autorin mehrfach willkürlich verhaftet. Auch sie konnte/ durfte nicht persönlich nach Berlin kommen.

Meinungs- und Pressefreiheit sind keine Selbstverständlichkeit

Die Leistungen aller Nominierten in den drei Kategorien sind kaum ausreichend zu würdigen, denn leider muss in immer mehr Ländern um die Meinungs- und Pressefreiheit gerungen werden. Und so bitter es klingt, gerade in Europa verschlechtert sich die Lage in den letzten Jahren im jährlichen RoG-Bericht und -Ranking kontinuierlich. Vor allem populistische Regierungen sorgen für ein immer pressefeindlicheres Klima, auch in Deutschland. Länder wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien haben nur noch eine „zufriedenstellende Lage“, in Polen und Ungarn sowie vielen Balkanländern verortet Reporter ohne Grenzen „erkennbare Probleme“. Die Länder mit der größten Pressefreiheit weltweit sind allerdings auch in Europa zu finden: Norwegen, Finnland und Schweden.

Nach Paris, Straßburg und London wurden die Press Freedom Awards erstmals in Berlin verliehen. Michael Rediske, ROG-Vorstandssprecher, verwies in seiner Begrüßungsrede auf die Bedeutung von Öffentlichkeit für verfolgte Medienschaffende. Die Festrede hielt der frühere Chefredakteur des britischen Guardian, Alan Rusbridger. Berlins Bürgermeister Michael Müller begrüßte die rund 250 internationalen Gäste im Namen der Stadt. NSA-Whistleblower Edward Snowden, Außenminister Heiko Maas und viele namhafte Vertreter/-innen aus den internationalen Medien gehörten zu den vielen Gratulanten, die sich per Videobotschaft meldeten. Moderatorin des Abends war Pinar Atalay.

Prof. Dr. Michael Beuthner, Studiengangsleiter des Studiengangs Journalismus und PR, und Stipendiatin Franka Schönwandt (Studiengang Journalismus und PR 2018) bedanken sich für die Möglichkeit der Teilnahme.


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