"Tribal Rituals on Sand Dunes" – Professor Bomnüter in der Literature/Film Quarterly

Professor Dr. Udo Bomnüter ist in der aktuellen Sonderausgabe des renommierten Online-Journals Literature/Film Quarterly zum Thema „Transcultural Adaption“ mit einem englischsprachigen Beitrag über die Shakespeare-Adaption Makibefo vertreten.

The first and last print issues of Literature/Film Quarterly, Foto/Copyright: lfq.salisbury.edu/about.html

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Schwerpunkt der LFQ-Frühjahrsausgabe 2020 : transkulturelle Adaptions- und Austauschprozesse

Ende April 2020 erschien die neueste Ausgabe (Vol. 48, No. 2) des renommierten US-amerikanischen Journals Literature/Film Quarterly (LFQ), die als Special Issue thematisch der transkulturellen, filmischen Adaption künstlerischer Texte und den damit einhergehenden Transformationsprozessen gewidmet ist. Herausgeber sind PD Dr. Wieland Schwanebeck (Technische Universität Dresden) und Dr. Iain Robert Smith (King’s College, London). Die fünf Beiträge der vorliegenden Ausgabe basieren auf Präsentationen im Rahmen des internationalen Symposiums „Transcultural Adaptation“ an der Technischen Universität Dresden im Jahr 2018 und bieten unterschiedliche Perspektiven auf transkulturelle Adaptions- und Austauschprozesse.

Unter dem Titel “Tribal Rituals on Sand Dunes – Alexander Abela’s Makibefo as a Transcultural Appropriation of Shakespeare’s Macbeth” präsentiert Prof. Udo Bomnüter, Professor und Studiengangsleiter im Studiengang Kommunikationsmanagement an der DEKRA | Hochschule für Medien, die an der Südspitze Madagaskars gedrehte Shakespeare-Verfilmung Makibefo (1999) als einen beispielhaften Fall transkultureller Adaption. Auf Grundlage kulturwissenschaftlicher Ansätze analysiert er zum einen kulturelle Aneignungsprozesse im Zuge des Produktionsprozesses, wobei auch Konfliktfelder angesprochen werden, zum anderen die daraus resultierende transkulturelle Qualität des fertigen Films.

Schwerpunkte der Analyse bilden Abelas quasi-ethnographische Herangehensweise, seine enge Zusammenarbeit mit dem indigenen Volk der Antandroy und die gemeinsame Schöpfung hybrider kultureller Elemente. Dabei fungierten die Stammesmitglieder nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Koautoren, Crew-Mitglieder und Musiker. Abela selbst präsentiert sich als "Auteur", der sich zugleich an empfohlenen Arbeitsweisen ethnographischer Filmpraxis orientiert, wie sie beispielsweise der Anthropologe Timothy Asch formuliert hat. Im Ergebnis wird deutlich, dass das solchermaßen geschaffene Filmwerk Makibefo in einem transkulturellen Sinne sowohl Elemente von Shakespeare aufweist, als auch maßgeblich durch die Kultur und Tradition der Antandroy geprägt ist.

Die weiteren Beiträge der Ausgabe stammen von PD Dr. Martina Pfeiler (Ruhr-Universität Bochum), die sich der deutschen Moby Dick-Adaption Dämon des Meeres (1931) widmet; Prof. Dr. Ivo Ritzer (Universität Bayreuth), der sich mit dem Werk von Walter Hill und seinen Bezügen zu Akira Kurosawa, John Woo und Jean-Pierre Melville auseinandersetzt; PD Dr. Wieland Schwanebeck (TU Dresden), der transkulturelle Aspekte in den westdeutschen Edgar Wallace-Filmen untersucht; und Erin Suzuki, PhD (University of California, San Diego), deren Analyse von Kurosawas Macbeth-Adaption Throne of Blood (1957) den inhaltlichen Bogen schließt. Sämtliche Beiträge sind nachzulesen unter: https://lfq.salisbury.edu/

Über die Zeitschrift Literature/Film Quarterly

Die peer-reviewte Zeitschrift Literature/Film Quarterly (LFQ) ist das älteste internationale Journal zum Thema Adaption. Seit der Gründung 1973 durch Jim Welsh und Tom Erskine hat sich die Zeitschrift für Wissenschaftler und Autoren als Forum für die Diskussion und Artikulierung unterschiedlicher Ansätze zur Konzeptualisierung von Adaptionen bewährt, nicht nur im traditionellen Rahmen der Transformation fiktionaler Texte zu Filmen, sondern auch bezüglich neuerer Reflektionen zu Intertextualität, Adaptionstheorie und verwandten Aspekten.

In der Vergangenheit präsentierte LFQ Interviews mit so bedeutenden Kinoregisseuren wie Frank Capra, Billy Wilder, Federico Fellini, Robert Altman und Alain Robbe-Grillet sowie Beiträge renommierter Autoren und Kritiker wie Warren French, Harry T. Moore, Bruce Kawin, Thomas Leitch, Brian McFarlane, James Naremore, Thomas Schatz und Herman G. Weinberg; ebenso Texte von Shakespeare-Experten wie R. H. Ball, Normand Berlin, Jack J. Jorgens, Michael Mullin, Kenneth S. Rothwell und Bernice W. Kliman sowie den Autoren diverser Standardwerke zum Film wie Louis D. Giannetti, James Monaco, Charles Eidsvik, Morris Beja, James F. Scott und Thomas & Vivian Sobchack.

LFQ erscheint vierteljährlich an der Salisbury University in Salisbury, Maryland (USA) und hat eine weltweite Leserschaft. LFQ ist bei der International Federation of Film Archives (FIAF), dem Film Literature Index, der Annual Bibliography of English Language and Literature, dem Humanities Index und weiteren Einrichtungen indiziert. Die Inhalte der letzten Jahre sind in mehr als 9.000 Hochschuleinrichtungen weltweit verfügbar. Seit 2016-17 erscheint LFQ als Online, Open-access-Format.

von Prof. Dr. Udo Bomnüter


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