Tobias Fregin

Praktikant, Werkstudent, Produktionskoordinator: Das waren die bisherigen beruflichen Schritte von Tobias Fergin, der2019 an der DEKRA | Hochschule für Medien im Studiengang Film und Fernsehen mit der Spezialisierung Produktion seinen Bachelor gemacht hat. Er kann jetzt schon eine Laufbahn vorweisen, die sich viele Studierende wünschen. Dokumentationen produzieren steht für ihn auf dem Tagesprogramm. Für ihn war schon immer klar: ein Job in einer Produktionsfirma ist ein primäres Ziel.

Tobias Fergin studierte an der DEKRA | Hochschule Film und Fernsehen mit der Spezialisierung Produktion. Im Interview spricht er über seinen Berufseinstieg als TV-Produktioner.

Du bist Produktionskoordinator bei der AVE Publishing GmbH & Co. KG. Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Erstmal einen Kaffee! (lacht) Danach fange ich an Mails zu beantworten und sammle meine Aufgaben für den Tag. Gerade arbeiten wir an einem spannenden Projekt mit Uli Hoeneß. Es wird schon bald ausgestrahlt und daher läuft es gerade sehr stressig bei uns ab. Wir machen zur Zeit überwiegend Dokumentationsfilme und produzieren innerhalb von zwei Monaten unsere Projekte. Der Workflow ist also ziemlich schnell. Wir haben ein etwas größeres Pensum als Filmproduktionen. Ebenfalls gehört zu meinen Aufgaben, dass ich die Drehvorbereitungen durchführe.

Was genau macht die AVE?

Wir produzieren überwiegend Dokumentationsfilme und Dokufictions. Wir beliefern u. a. das ZDF, das Wissenschaftsmagazin Xenius, 3Sat, Phoenix, SWR und ZDF Ufo mit Material. Demnächst starten wir außerdem mit dem Format Dokufiction.

Man kann sich vorstellen, dass du ein sehr verantwortungsvollen Job hast. Gibt es Momente, die besonders nervenaufreibend sind?

Ja! Z. B., wenn man nicht die Informationen bekommt, die man braucht, kann es sehr stressvoll sein. Diese Situation hatte ich jetzt bei einem aktuellen Projekt. Wir hatten einen Redakteur, der war für uns der sogenannte Türöffner für Uli Hoeneß. Wir hätten von ihm unbedingt Informationen gebraucht, wie und wo die Produktion mit ihm stattfindet, und ob es überhaupt funktioniert an Hoeneß ranzukommen. Diese Informationen habe ich aber nicht erhalten, daraufhin wurde die Disposition natürlich kreativ (lacht). Mit so etwas muss man auch umgehen können und damit rechnen. Ebenfalls habe ich jetzt drei Projekte gleichzeitig laufen. Die Ruhe zu bewahren ist da immer herausfordernd.

Hat eine Initiativbewerbung ausgereicht oder gab es bestimmte Kriterien, die man mitbringen musste?

Ich habe mich für mein Pflichtpraktikum im Studium bei der AVE beworben und dann bei denen als Praktikant angefangen. Es kommt darauf an, worauf man sich spezialisiert hat. Meistens reicht eine aussagekräftige Bewerbung aus.

Hast du vor deinem Studium schon relevante Erfahrungen für dein Studium sammeln können?

Ich war vor meinem Studium bei einem Fernsehsender und wollte bei denen auch anfangen zu arbeiten, jedoch habe ich mich dann über die Anstellungsverhältnisse informiert und habe mich dann dagegen entschieden.

War dir von Anfang an klar, dass du bei einer Produktionsfirma arbeiten möchtest?

Ja, definitiv ganz klar Produktion. Zwischendurch habe ich überlegt auch Kamera dazu zu machen, weil ich sehr technikaffin bin. Produktion war aber mein primäres Ziel.

Wie war deine Erwartungshaltung zu Anfang? Wurde diese bis jetzt erfüllt?

Für mich war das nicht neu, was ich jetzt mache. Deswegen waren keine Anforderungen vorhanden. Klar trifft man auf neue Leute und Umgebungen, muss immer mit etwas Neuem klar kommen und sich gewöhnen, aber da kommt man relativ schnell rein.

Wie kommst du mit der direkten oder indirekten Hierarchie im Job klar?

Eine Hierarchie gibt es bei uns auf jeden Fall auch. Wir haben einen Geschäftsführer, wir hatten mal einen Producer. Vom Gefühl her gibt es eine Hierarchie, aber die ist sehr viel kleiner bei uns, weil wir nur zehn Leute sind. Es kommt auch stark auf die Arbeitssituation an. Wenn wir über das Geschäft reden, reden wir formaler miteinander als in der Mittagspause. Es übt aber keinen Druck auf mich aus.

Findest du, dass dein Studium dich Dinge gelehrt hat, die du jetzt im Job anwenden kannst? 

Es hat auf jeden Fall was gebracht. Vor allem die ersten Semester mit der Ausbildung an der Kamera und dem Ton. Aus meiner Sicht wäre es aber sinnvoll gewesen, gleich nach dem ersten Jahr in die Spezialisierungen zu gehen. Ich merke jetzt auch bei Gesprächen mit der Herstellungsleiterin, wenn sie bestimmte Begriffe benutzt, ich diese auch schon kenne und mit ihnen etwas anfangen kann. Auch die Programme zu erlernen, hat mir im Studium geholfen. Und Dinge wie Schnitt hätte man nicht unbedingt für Produktion gebraucht, dafür haben wir angestellte Mitarbeiter, die das erledigen. (...)

Was war die letzte Herausforderung, die du meistern konntest?

Im Praktikum wurde mir damals eine Sendung, „Wir müssen reden“ vom Sender Phoenix übergeben. Die musste ich komplett umsetzen, das war sehr spannend und interessant. Ich habe davor noch nie eine „live on tape“- Sendung durchgezogen.

Kannst du von einer bisherigen Produktion erzählen, die bei dir in besonderer Art und Weise hängengeblieben ist?

Ich hatte eine Münchner Kinoproduktion mit Jella Haase gehabt. Da war ich noch ziemlich jung, „Nirgendwo“ hieß das. Ansonsten unser Abschlussprojekt für die Hochschule „Schlaraffenland“ hieß das. Wir hatten sechs Motivwechsel und nur fünf Tage Zeit, das Thema war auch nicht einfach.

Sind Job und Privatleben miteinander zu vereinbaren?

Man muss unterscheiden, ob man am Set arbeitet oder im Büro. Am Set kann es vorkommen, dass du vier Wochen lang zwölf bis vierzehn Stunden bleibst. Im Büro hast du eher festere Zeiten. Zuhause bist du trotzdem dann im Home-Office aktiv und solltest per Abruf immer erreichbar sein. Wenn dann Probleme da sind, muss man schnell reagieren und eine Lösung finden. Man kommt in einer laufenden Produktion nie wirklich zur Ruhe. Bei anderen Jobs fängt man um 8:00 Uhr an und arbeitet bis man Feierabend hat. Bei einer Produktion ist dies eher nicht der Fall, das sollte einem bewusst sein.

Hast du noch ein paar hilfreiche Tipps an zukünftige Absolventen die den gleichen Weg einschlagen wollen?

Ich habe oft überlegt etwas anderes zu machen, weil eine Ungewissheit besteht, wie lange man noch als Produktionskoordinator gebraucht wird. Wir werden ja im Prinzip nur pro Produktion bestellt und eingebucht. Es kann ganz schön schwer sein einzuschätzen, wie es mit dem Gehalt für die nächsten Monate aussieht. Man braucht auf jeden Fall Ausdauer, Kreativität und viele hilfreiche Kontakte.

Vielen Dank für das Gespräch.


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