Ron Jäger

Mit mittlerweile elf Kurzfilmen hat Ron Jäger für sein junges Alter schon eine beachtliche Filmografie vorzuzeigen. „Wir müssen reden“ und „Inseln“ liefen inzwischen deutschlandweit, sowie international auf zahlreichen Filmfestivals. Ron studierte Film und Fernsehen an der DEKRA | Hochschule für Medien bereits während des Studiums seine ersten erfolgreichen Kurzfilme. Für seine Projekte übernimmt er sowohl die Rolle als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent und ist damit auf bestem Wege Richtung Spielfilm.

Ron Jäger studierte an der DEKRA | Hochschule Film und Fernsehen, mit der Spezialisierung Regie und macht als Regisseur und Drehbuchautor erfolgreich seine eigenen Filme.

Interview von Fritz Könnicke

Beschreib doch bitte kurz, wie es nach der DEKRA | Hochschule für Medien für dich weiterging.

Nach der Hochschule habe ich in verschiedenen Jobs gearbeitet, um die Mechanismen der Branche zu verstehen und zu sehen, was am besten zu mir passt. Ich habe zum Beispiel in verschiedenen Positionen, die zwischen Regie, Kamera oder Schnitt rangierten in einer Imagefilmfirma für Schulen gearbeitet, dann später beim Landesverband Kinder- und Jugendfilm Berlin e.V., wo ich unter anderem die postproduktionelle Betreuung des “Kinderrechtefilmfestivals” übernommen habe. Und zwischendurch war ich immer wieder als Set-Runner für verschiedene Produktionen tätig und habe parallel dazu habe ich auch immer weiter an meinen Kurzfilmen gearbeitet.

Finanzierst du durch die freien Jobs deine Kurzfilme?

Zum Großteil finanziere ich das alles selbst bzw. auch mit Hilfe der Leute, die in den führenden Positionen bei diesen Filmen mitwirken und auch etwas von sich mit reingeben, wie der Kameramann oder der Produzent. Auf Crowdfunding verzichten wir. Daran glaube ich nicht. Man muss immer abwägen, wie viel Geld man in eine solche Produktion steckt und wie viel man dann noch zum Leben braucht. Ich versuche dahingehend möglichst ökonomisch und sparsam zu leben, um das Geld für die Kurzfilme zu haben.

Wie sieht dein momentaner Arbeitsalltag? Hast du überhaupt so etwas wie einen normalen Arbeitsalltag abseits vom Privatleben?

Einen richtigen Rhythmus gibt es da nicht. Wenn ich einen Set-Runner-Job habe, arbeite ich von sechs bis 21:00 Uhr und falle dann ins Bett. Ansonsten habe ich dann das Wochenende. Mein Arbeits- und Privatleben sind im Grunde für mich eins – Leben im Film, wenn man so mag. Wenn ich aber einen regelmäßigen Job habe, wie zum Beispiel beim Landesverband, dann sieht das so aus, dass ich arbeite und mich nach der Arbeit dann weiter mit meinen Filmen beschäftigte. Ich sammle Ideen für Skripte, befasse mich mit der Postproduktion bereits gedrehter Filme oder kümmere mich um die Einreichungen bei Filmfestivals. Das ist mitunter zeitintensiv. Und dann schaue ich einen Film am Abend. Mehr brauche ich nicht.

Würdest du sagen, dass die Zeit in der Hochschule dich optimal auf deinen gewählten Beruf vorbereitet hat oder musstest du dir manche Skills im Nachhinein noch dazulernen?

Diese Branche ist so gestaffelt, dass man vieles nicht wirklich im Vorfeld lehren und lernen kann. Du kannst nicht lehren wie du am Set, in so einem riesigen Uhrwerk, die Stromaggregate bedienst und die Wagen richtig verkabelst. Für so etwas sind an einer Hochschule die Kapazitäten nicht gegeben. Der Lehrstoff ist beschränkt auf eine gewisse Theorie und Praxis und dahingehend fühlte ich mich schon vorbereitet. Das Wichtigste aber an der Hochschule war, das Selbstvertrauen zu gewinnen in Hinsicht auf die eigenen Projekte. Auch das man sehr viel Unterstützung und Anerkennung bekommt, was mir eine gewisse Selbstsicherheit gegeben hat in dem was ich tue, ob als Drehbuchautor oder Regisseur.

Am Filmset bist du in der Hierarchie, zumindest zu Beginn, sehr weit unten. Da kannst du so ein Gefühl gar nicht entwickeln. In der Hochschule kannst du dich aber ausprobieren, zusehen und lernen. Und auch schauen, was funktioniert für mich? Komme ich mit dem Controlling von mehreren Leuten klar, wie sind die Arbeitsabläufe, sehe ich mich eher in der Produktion oder der Regie? Sehr wichtig ist auch dass man scheitern darf. Das ist glaub ich eine große Freiheit, die einem gewährt wird. Man bekommt einen guten Einblick und die Möglichkeit überall unterzukommen. Doch alles kann die Hochschule natürlich nicht liefern. Man muss auch viel selbst hineingeben.

Bisher gab es ja noch keinen Kurzfilm, bei dem du nur das Drehbuch geschrieben oder nur die Regie geführt hast. Könntest du dir vorstellen auch mit einem Drehbuch von jemand anderem zu arbeiten bzw. für jemand anderen ein Drehbuch zu schreiben?

Das halte ich beides für möglich. Wenn mich der Stoff als Regisseur reizt, kann ich mir auch vorstellen mit dem Drehbuch eines anderen zu arbeiten oder auch Drehbücher an andere zu geben. Das ist kein Gedanke, den ich verwerfen würde, sondern ich halte das für gute Möglichkeiten.

Dein Film „Wir müssen redenist ja mittlerweile schon etwas rumgekommen und war bisher auf zahlreichen Filmfestivals zu sehen und hat dort auch schon zwei Preise gewonnen. Ist der Film im Rahmen eines Hochschulprojekts oder privat entstanden ist?

Ja, einmal hat er den Publikumspreis bei einem Filmfestival in Verden gewonnen und einen Jurypreis beim Deutschen Generationsfilmpreis. Es war ein freies Projekt, das wir im Sommer 2016 umgesetzt haben, kurz bevor die Teamfilme kamen. Das sind die letzten Filme, welche kurz vor Ende des Studiums an der Hochschule gedreht werden.

Der Film wurde unter anderem auch von der FBW Medienbewertungsstelle Wiesbaden als „wertvoll“ betitelt. Was macht den Film für dich persönlich wertvoll?

Was ich an dem Film sehr schätze ist, dass er es schafft, die Entfremdung zwischen Vater und Sohn auf das Wesentliche runter zu brechen. Er ist sehr pragmatisch gemacht und hat nur die Mittel, die er braucht. Es gibt keinen Firlefanz, keine Drohnen, keine Fahrten, nicht einmal Sprache, nur zwei Menschen, die versuchen miteinander zu kommunizieren und das macht die Qualität des Films für mich aus. Das war auch der Anspruch an das Projekt, eben nur das zu nehmen, was wirklich nötig ist. Damit wollten wir auch eine gewisse Haltung demonstrieren und zwar, dass es nicht immer nur die Technik ist, die einen guten Film ausmacht. Stattdessen versuchten wir ein durchdachtes Thema mit wenigen Mitteln umzusetzen.

Was ist das für ein Gefühl, wenn das eigene Projekt dann „auf Tour geht“ und ausgezeichnet wird? Würdest du sagen, dass sich damit auch etwas Druck aufbaut an den bisherigen Erfolg anzuknüpfen? Oder gibt dir das eher eine Art Sicherheit und Bestätigung für dein Schaffen?

Einen Druck verspüre ich nicht. Druck verspürt man, wenn man nach einem Film noch keinen weiteren gedreht hat, weil immer die Erwartungshaltung zum nächsten geknüpft wird. Aber das war bei mir nie der Fall. Wenn ich einen Film komplett fertig habe, habe ich den nächsten schon abgedreht, so konnte nie eine Erwartungshaltung entstehen. Wenn der eigene Film überall läuft und auch angenommen wird, ist das natürlich eine Bestätigung für das, was man geschafft hat. Wobei ich aber auch dazu sagen muss, dass auf jede angenommene Einreichung bestimmt auch mindestens zehn abgelehnte folgen. Daher betrachte ich das nicht mit Eitelkeit.

Für ein eigenes Filmprojekt braucht es ja schon eine Menge Vorbereitungen: Schauspieler casten, Drehorte finden, Technik ausleihen. Wie gehst du da vor? Hast du dir inzwischen schon ein eigenes Netzwerk aufgebaut, das dir den Prozess erleichtert?

Ich habe ja viele Filme gemacht, die eben sehr reduziert sind. Das heißt, ich habe mit Filmen angefangen, die produzierte ich mit drei Leuten. Das waren der Kameramann, der Tonmann und ich. Ich mache die ganze Organisation und die anderen können sich auf ihren Job am Set konzentrieren. Wenn du das über acht Filme lang durchziehst, dann bist du da auch relativ souverän. Mittlerweile ist es aber auch so, dass ich mit Leuten zusammenarbeite, die mir meine Arbeit enorm erleichtern. Ansonsten ist man diese Sachen auch irgendwann leid. Schauspieler-Casting mach ich sehr gerne, aber Drehorte scouten ist zum Beispiel nicht meins. Da habe ich aber mittlerweile großartige Leute, die das für mich organisieren. Im schlimmsten Fall, wenn die gerade keine Zeit haben, muss ich das wieder selbst übernehmen. Ich will den Film machen, also muss ich das auch selbst ansteuern. Das ist nämlich ein Fehler von vielen jungen Regisseuren: Sie erwarten, dass andere die Arbeit für einen machen. Im Grunde hat man nur sich selbst. Und wenn man nicht die eigene Kraft aufbringt, dann wird man das auch nicht schaffen, den Film, den man möchte, umzusetzen. Nur so kann der Film gut werden, wenn man auch motiviert ist und das durchzieht.

Reizt es dich überwiegend fiktive Geschichten zu verfilmen? Oder könntest du dir auch etwas Dokumentarisches vorstellen?

Fiktives fällt mir auf jeden Fall leichter, weil ich hier eine größere Klarheit darüber habe, was ich erzählen möchte und wie ich den Film strukturiere. Beim Dokumentarfilm ist alles viel freier und bietet dir viel mehr Möglichkeiten. Ich habe ja auch schon Dokumentationen gedreht, unter anderem über einen Wissenschaftler vom Helmholtz-Verbund REKLIM in Potsdam. Das war auch ein Seminarfilm. Das ist ok, im Fall der Fälle ist das auch etwas, was ich mir vorstellen könnte und was mich reizt. Doch meine Vorliebe ist tatsächlich der fiktive Film, weil ich damit einfach viel besser umgehen kann.

In deiner bisherigen Zeit als Filmemacher: Gibt es da einen Moment, an den du dich besonders gern zurückerinnerst und einen, den du am liebsten aus deinem Gedächtnis löschen würdest?

Tatsächlich kann ich da keine einzelne Erfahrung benennen. Ich sehe einfach die Zeit an der Hochschule als sehr positive Gesamterfahrung, die man mitgenommen hat, welche sich für mich gelohnt hat, weil ich diese Filme machen konnte. Ich konnte sie mit tollen Leuten zusammen machen, die sehr viel Engagement und Zeit in diese Projekte gesteckt haben. Und auch an das geglaubt haben, was ich erzählen wollte, dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Die Hochschule hat mir ermöglicht diese Filme umzusetzen und ich hatte einen gewissen Erfolg mit diesen Filmen. Ich meine, wir liefen auf Festivals, wir haben Preise gewonnen, ich habe jetzt elf Filme gedreht, was ziemlich viel ist. Und die Leute schauen sich meine Filme an und die Filme werden immer professioneller, immer größer und erfahren immer mehr Zuspruch. Was kann ich mehr erwarten? Ich bin glücklich mit dem, wie es gelaufen ist. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und es hat mir Türen geöffnet.

Vielen Dank für das Gespräch! 

 


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