Professor Dr. Marcus Stiglegger beim 33. Mannheimer Filmsymposium

Film und Fernsehen Professor Dr. Marcus Stiglegger sprach beim 33. Mannheimer Filmsymposium über unzuverlässige Erzählstrategien im Film.

Professor Dr. Marcus Stiglegger beim 33. Mannheimer Filmsymposium

Foto: Lioba Schlösser

Vom 19. bis 21. Oktober 2018 fand das 33. Mannheimer Filmsymposium in den Räumen das Cinema Quadrat e. V. in Mannheim statt. Es ging um die Magie des filmischen Erzählens und den Weg vom Drehbuch zum Film.

Das Filmpublikum möchte von einer gut erzählten Geschichte verführt werden, in die es eintauchen kann und der Bedarf an Geschichten scheint unstillbar und die Erwartungen des Publikums unendlich vielfältig.

Am Anfang eines Films steht die Plot-Idee, das Treatment, vielleicht sogar schon ein Drehbuch. Es muss erzählerisch kraftvoll sein, bereits Ansätze für eine filmische Umsetzung mitbringen und vor allem einen Produzenten überzeugen, Geld in das Projekt zu investieren oder – in Europa – eine Reihe von Förderkommissionen gewinnen, um überhaupt umsetzbar zu sein. Erfüllt das Drehbuch all diese Voraussetzungen ist dennoch keineswegs sicher, dass die Intention des Autors im fertigen Film auch umgesetzt wird. Das kreative Team um den Regisseur wird während der Dreharbeiten ständig Veränderungen vornehmen und auch die Postproduktion kann einen großen Einfluss auf den fertigen Film nehmen.

In 120 Jahren Filmgeschichte hat sich zudem das Erzählen von Geschichten generell gewandelt. Es ist komplexer und schwieriger geworden, einem Publikum immer wieder etwas Neues zu erzählen oder etwas Altes neu aufzubereiten. Trotzdem scheint die Kreativität keine Grenzen zu kennen, denn immer wieder werden Plottwists erfunden, Geschichten rückwärts erzählt und neue Genremuster entwickelt.
In neun Vorträgen, einem Diskussionspanel und vier Filmsichtungen setzt sich das 33. Mannheimer Filmsymposium mit dieser komplexen Verwandlung vom Drehbuch zum Film auseinander. Ziel des diesjährigen Symposiums war eine Sensibilisierung für die Qualität von Filmerzählungen und die Entwicklung eines größeren Verständnisses für die faszinierende Wirkung gelungener Filmkunstwerke.

Film und Fernsehen Professor Dr. Marcus Stiglegger war schon zum achten Mal als Redner der Veranstaltungsreihe geladen und sprach über unzuverlässige Erzählstrategien im Film. Der Vortrag gab einen Überblick über unterschiedliche Strategien der unzuverlässigen Erzählung innerhalb der Filmdramaturgie. An zahlreichen Filmausschnitten zeigte und erläuterte Prof. Stiglegger Strategien wie unzuverlässiges, a-chronologisches und rückwärts gerichtetes filmisches Erzählen. Es ging um die Auflösung der definierbaren Relation zwischen Realität, Imagination und Traum, um divergierendes Erzählen aus Sicht verschiedener Protagonisten und die Verschleierung des subjektiven Erzählens sowie andere Veränderungen klassischer Erzählstrukturen. Der Vortrag machte deutlich, dass jede filmische Erzählung eine Inszenierung darstellt und Unzuverlässigkeit zum Charakter des filmischen Mediums gehört, der sich auf sehr unterschiedlicher Weise zum Ausdruck bringen kann.

Professor Dr. Marcus Stiglegger unterrichtet im Studiengang Film und Fernsehen an der DEKRA | Hochschule für Medien, in dem sowohl Kompetenzen der Filmanalyse als auch der Filmpraxis vermittelt werden. Studienschwerpunkte sind Kamera, Ton, Postproduktion, Regie, Stoffentwicklung, Dramaturgie, Produktion und Aufnahmeleitung, sodass das breite Spektrum des Filmemachens bestmöglich in einen Bachelorstudiengang gefasst wird. Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss kann kann der Berufseinstieg sowohl in die Filmpraxis als auch in theoretisch fundierte filmische Berufe gemeistert werden.



zurück zur Übersicht