Die Zukunft der akademischen Lehre - Vizepräsident Prof. Dr. Stiglegger beim XIV. Hochschulsymposium

Die Schleyer-Stiftung veranstaltete in Kooperation mit der Heinz Nixdorf Stiftung und gemeinsam mit der Universität zu Köln im Wallraf-Richartz-Museum das vierzehnte Hochschulsymposium zum Thema "Die Zukunft der akademischen Lehre".

Die Schleyer-Stiftung veranstaltete in Kooperation mit der Heinz Nixdorf Stiftung und gemeinsam mit der Universität zu Köln im Wallraf-Richartz-Museum das vierzehnte Hochschulsymposium zum Thema "Die Zukunft der akademischen Lehre". Zu Gast Prof. Dr. Marcus Stiglegger von der DEKRA | Hochschule für Medien. Im Bild: Diskussionsteilnehmer auf der Podiumbühne

Wie sieht die Zukunft der universitären Lehre aus? Diese Frage stand am 18.-19. September 2019 in Köln im Fokus. Erhöhte Mobilität, Globalisierung, wechselhafte Arbeitsmärkte mit immer differenzierteren Anforderungen sowie die Digitalisierung fordern auch die Wissenschaftslandschaft heraus. Die seit 2001 regelmäßig veranstalteten Hochschulsymposien der Hanns Martin Schleyer-Stiftung in Kooperation mit der Heinz Nixdorf Stiftung haben sich als ein weithin sichtbares Zukunftsforum für die Hochschulentwicklung etabliert.

Ihr Ziel ist eine intensive fachliche Erörterung aktueller gesellschaftspolitischer Fragen im öffentlichen Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Die Schleyer-Stiftung hierzu jeweils hochkarätige Mitwirkende gewonnen und diese Initiative zu einer Art Messe für Hochschulfragen ausgebaut. In Köln wurden 250 Gäste erwartet, darunter Führungspersönlichkeiten aus Hochschulmanagement, Politik und Wirtschaft. Es sprachen u.a. Staatssekretär Dr. Michael Meister und der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Peter-André Alt. Die wissenschaftliche Leitung hatte zudem Prof. Dr. Axel Freimuth, der Rektor der Universität zu Köln, übernommen.

Digitalisierung – auch ein Thema in der akademischen Lehre

In seinem Eröffnungsvortrag gab Dr. Michael Meister vom Bundesministerium für Bildung und Forschung einige wesentliche Ansätze, die vor allem der Digitalisierung der akademischen Lehre Rechnung trugen. Aus Perspektive des Ministeriums betonte er, die Hochschullehre sei nicht als Ausbildung zu begreifen, sondern sei als Bildung im Sinne der Persönlichkeitsbildung zu sehen. Dabei stehe nicht das feste Ausbildungsziel im Zentrum, sondern der dynamische Prozess, der den aktuellen Entwicklungen stets Rechnung trägt.

Zudem sei die akademische Lehre der demokratischen Polyphonie verpflichtet, dem Diskurs aus einer Vielzahl von Perspektiven, die erhört und diskutiert werden sollen. Ideologische Denkverbote seinen dem humboldtschen Ideal der Aufklärung entgegen gestellt. Von daher sollten gerade in der Präsenzlehre diese Werke aktiv vermittelt werden. Die akademische Wissenschaft in Deutschland dürfe im internationalen Vergleich nicht abgehängt werden, daher sei die Bereitschaft auch von Lehrenden nötig, sich auf den dynamischen Prozess einzulassen.

Die Chancen der Digitalisierung in der akademischen Lehre 

Die Digitalisierung der akademischen Lehre bedeute nicht das bloße Ersetzen von Präsenzlehre, sondern ermögliche vor allem – so in der anschließenden Podiumsdiskussion formuliert – ein sinnvolles Ergänzen der Lehrstoffe, auch um der medialen Erfahrung zukünftigen Generationen zu entsprechen. Die Präsenzlehre sei jedoch gerade in der Vermittlung demokratischer Kompetenzen wichtig. Rein digitaler Lehrstoff eigne sich nur in bestimmten klausurbasierten Veranstaltungen.

Diskutiert wurde auch das zukünftig vermehrt erforderliche Angebot von Zusatzveranstaltungen, einzelnen Zertifikatsleistungen und Aufbauseminaren und -modulen, die zur Weiterbildung und Zusatzqualifikation im dynamischen Berufsalltag nötig seien. Diese Zusatzangebote lassen sich schwer aus den bestehenden Ressourcen generieren und sollten nicht vom eigentlichen Lehrdeputat bestritten werden. Der erforderliche Zusatzaufwand werde jedoch meist nicht von den Einnahmen der Seminargebühren gedeckt. Das erhoffte Zusatzbudget durch dieserart angebotene kommerzielle Angebote bleibe meist kostenneutral – im besten Fall. Hier plane auch das Bundesministerium zukünftig Unterstützungsprogramme.

Aufwertung der Lehre gefordert

Unterstützt werden solle auch die Aufwertung der Lehre gegenüber der Forschung, die bislang als wichtigstes Kriterium wissenschaftlicher Qualität gilt. Studentischer Evaluation und studentisch basierten Lehrpreisen soll mehr Aufmerksamkeit gelten. Auch die Beschäftigung mit und Analyse von Hochschullehre muss als wissenschaftliche Leistung anerkannt werden.

Angesichts der mutwilligen Marginalisierung von Wissenschaft im öffentlichen Diskurs (‚Fake News‘) und der antidemokratischen Tendenzen in einigen osteuropäischen Ländern ist es dringend notwendig, den Stellenwert der akademischen Lehre zu würdigen und öffentlich zu stärken. Nur eine starke und verantwortungsbewusste Lehre kann auch mündige ‚academic citizens‘ hervorbringen, die bereit sind, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Die Freiheit von Forschung und Lehre bleibe dabei ausdrücklich zu schützen und zu bewahren.

Autor: Prof. Dr. Stiglegger


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