Jugendmedientage 2018: Prof. Beuthner zu Etikettenschwindel Pressefreiheit

Professor Dr. Michael Beuthner war gemeinsam mit Alumna Carolyn Pliquet bei den diesjährigen Jugendmedientagen 2018 in Bremen, um zum Konferenzthema "Bewegt(e) Grenzen: Raise your Voice" einen Vortrag zur "Pressefreiheit" zu halten und darüber eine Diskussion zu führen.

Professor Dr. Michael Beuthner mit Alumna Carolyn Pliquet zu Gast bei den Jugendmedientagen 2018 in Bremen.

Fotos: Jugendmedienpresse Deutschland - Annkathrin Weis

Studiengangsleiter und Professor im Studiengang Journalismus und PR Prof. Dr. Michael Beuthner war gemeinsam mit unserer Alumna Carolyn Pliquet (Studiengang Journalismus und PR) bei den diesjährigen Jugendmedientagen 2018 in Bremen, um zum Konferenzthema "Bewegt(e) Grenzen: Raise your Voice" einen Vortrag zur "Pressefreiheit" zu halten und die anschließende Diskussion zu führen.

Zunächst sprach Prof. Dr. Michael Beuthner über diverse Meilensteine in der Geschichte des Journalismus , die zur Erkämpfung der Meinungsfreiheit in Deutschland beitrugen. Dazu zähle u.a. der liberale Kampf für Freiheit und Verfassung auf dem Hambacher Fest 1832, die Spiegel-Affäre 1962, die Diskussion um den Abtreibungsparagrafen § 218 im Stern 1971, der Versuch der Nachrichtensperre im „Deutschen Herbst“ 1977, der Fall Deniz Yücel 2017 und Mesale Tolu 2018, sowie die jüngsten Vorkommnisse in Dresden.

Zugleich wurden aber auch Beispiele besprochen, die auch aufzeigen, zu welchen Merkwürdigkeiten und Fehlverhalten die Freiheit im Journalismus „umgekehrt“ führen kann. Dazu gehören u. a. Das Gladbecker Geiseldrama 1988, die medialen Vorverurteilungen und Skandalisierung im Fall Jörg Kachelmann (2010)  und dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (2012). Carolyn Pliquet berichtete im Anschluss über die speziellen Rahmenbedingungen und Einschränkungen der Pressefreiheit in Myanmar.

Carolyn Pliquet verbrachte zehn Monate im südostasiatischen Myanmar. Dort arbeitete sie als Praktikantin bei der Deutsche Welle Akademie und bei einer englisch-burmesisch sprachigen Tageszeitung. Nicht zuletzt beschäftigte sie sich daher auch ihre Bachelorarbeit mit der Entwicklung der Pressefreiheit in dem Entwicklungsland Myanmar und sprach diesbezüglich dort vor Ort mit zahlreichen Medienverantwortlichen und Journalisten. Auch über die speziellen Rahmenbedingungen und Einschränkungen der Pressefreiheit in Myanmar werden beide mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sprechen.

Ausgangspunkt waren die Verhaftungen der Reuters-Journalisten Lone und Soe Oo

Ausgangspunkt waren die jüngsten Verhaftungen der Reuters-Journalisten U Wa Lone & U Kyaw Soe Oo am 03.09.2018 zu sieben Jahren Haft. Ihnen wird auf Basis eines völlig antiquierten Gesetzes  (Official Secrets Act von 1923) illegaler Besitz von Staatsgeheimnissen vorgeworfen. Sie recherchierten zu Ermordungsfällen in der Rohingya -Krise. International hagelte es dafür starke Kritik und die Forderungen zur sofortigen Freilassung.

Myanmar steht derzeit auf dem weltweite Pressefreiheits-Ranking von Reporter ohne Grenzen auf Platz 137 von insgesamt 180. Von 1962 an herrschte fast 50 Jahre lang eine Militärdiktatur. Erst seit 2010 gibt zivile Öffnungsprozesse der Regierung und erst seit 2016 ist das Land parlamentarische Republik und treibt die Demokratisierung sichtlich voran. Dennoch: Das Militär hat kategorisch 25% der Parlamentssitze und die Kontrolle über das Innen- und Verteidigungsministerium.

Nach der Militärdiktatur gibt es heute keine Vorzensur mehr in Myanmar, private Tageszeitungen und internationale Medien & Organisationen sind erlaubt und der Myanmar Press Council als regulative Instanz sorgt für den Schutz der Journalisten. Dennoch gibt es viele widersprüchliche, einschränkende Gesetzeslagen und z. b. kein Informations-freiheitsrecht wie in Deutschland. Tabu ist noch immer das Militär (Angst vor Bestrafung, immer noch mächtige Instanz). Das führt zu einer Art Selbstzensur. Der gesamte Rundfunksektor ist in staatlicher Hand, es gibt kein duales System. Auch das Internet bietet nicht wirklich Freiheiten, denn dort sind viele „Kontrolleure“ unterwegs. 

Die Vertreibung der muslimischen Minderheit der Rohingya war unter militärischer Hoheit. Es war nur ausgesuchten Journalisten möglich, in das abgesperrte Gebiet zu gelangen. Im Vielvölkerstaat Myanmar gibt es übrigens neben den vertriebenen Rohingya noch über 135 verschiedene ethnische Minderheiten, die im Kampf mit dem dortigen Militär stehen. Diese Kämpfe sind aber gut „abgeriegelt“ und deshalb nicht in den Medien. Die Pressefreiheit geht eben manchmal nur so weit, wie man sie im wahrsten Sinne des Wortes schauen lässt.

Programmübersicht Jugendmedientage 2018 vom 04. bis 07. Oktober in Bremen

Eine Metropole, bis zu 350 junge Medienmachende und ein spannendes Programm - das sind die Jugendmedientage 2018

Bei einem der bundesweit größten Kongresse für Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten sowie junge Medienbegeisterte allgemein zählt vor allem eines: Die Leidenschaft fürs Medienmachen. Für alles andere sorgt das Team der Jugendmedientage. In Mini- und Intensiv-Workshops vermitteln Branchenexpertinnen und -experten handwerkliches Know-how und praktische Medienkompetenzen. Unter professioneller Anleitung gestalten die Teilnehmenden eigene Texte, Fotos, Videos oder Radio-Beiträge. Bei Medientouren gewähren renommierte Redaktionen, Rundfunkanstalten und Agenturen in Bremen und Hamburg Einblicke in ihre Arbeit. Gelegenheit zum Netzwerken und Austauschen bietet das Rahmenprogramm der Jugendmedientage mit Mediennacht und Abschlussparty.

Bewegt(e) Grenzen

Raise your Voice. So lautet das Thema der Jugendmedientage 2018. Während wir hierzulande Medien ganz frei konsumieren und unsere Meinung meist offen kundtun können, stehen Menschen und Medienmachenden in anderen Teilen der Welt vor schier unlösbaren Herausforderungen. Was treibt diese Menschen an? Wie arbeiten sie? Wie wichtig ist ihre Berichterstattung für eine freie, demokratische Gesellschaft? Was bedeutet es, mediale Grenzen zu bewegen und an ethische Grenzen zu stoßen? Auf euch warten freie Formate, spannende Inhalte und vielfältige Programmpunkte, in denen ihr dazu eingeladen seid, über Medienvielfalt und Unabhängigkeit von Medien im In- und Ausland zu diskutieren.


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