Journalismusstudierende erleben Realität vs. Inszenierung

In der dreiwöchigen Übung zum Thema Medienwissenschaften sind die Journalist/-innen des 5. Semesters der Frage von Realität versus Inszenierung nachgegangen und produzierten dazu erstmals selbstständig einen Imagefilm.

Erich v. Kaler lehrt im Seminar den Umgang mit professioneller Filmtechnik. Vier Tage lang hatte die Klasse Fernsehen und Film 09 die Möglichkeit, mit einer hochwertigen Profi-Filmkamera zu drehen, im Presswerk die Entwicklung des Materials zu verfolgen und sich das Ergebnis im Vorführraum anzusehen.

Die Übung  zum Thema Medienwissenschaften war für die Studierenden eine ganz neue Erfahrung. Sie standen zum ersten Mal vor der Herausforderung, eigenständig einen Film zu produzieren. Dazu gehörte nicht nur der korrekte Umgang mit Kamera und Licht, es mussten Interviewpartner/-innen angefragt und Drehtage geplant werden. 

Für viel Nachbearbeitung wie Farbkorrekturen, Cleanings oder aufwendige musikalische Untermalung war die Zeit der drei Wochen schlussendlich zu knapp. dennoch war die Übung eine wertvolle Erfahrung für die angehenden Journalist/-innen. Da es sich bei ihnen - im Gegensatz zu den Studierenden des Studiengangs Film und Fernsehen - nicht um zukünftige Filmschaffende handelt, tauchten sie in eine teilweise neue Welt ein. dennoch mussten sie ihre Erzählperspektive nicht verändern: Ein Imagefilm hat, gleich jeder journalistischen Arbeit, vor allem den Zweck, Informationen bereitzustellen. Inhaltlich ging es den Dozent/-innen vor allem darum, an den Beispielen Dokumentarfilm und Imagefilm, die Frage von Realität versus Inszenierung zu diskutieren und diese mit praktischen Mitteln aufzuzeigen.

Ein wichtiges Kernelement des Moduls war, den Studierenden zu vermitteln wie dünn und fluide die Grenzen zwischen Dokumentar- und Imagefilmen sein können.

Nichtfiktionalität vs. Inszenierung unter der Lupe

Der Dokumentarfilm zeichnet sich durch die Nichtfiktionalität aus und soll mit entsprechendem Inhalt informieren und belehren. Während ein Dokumentarfilm nur auf der Wirklichkeit basieren darf, dabei nicht manipuliert oder in der Erzählung beschönigt werden darf, porträtiert der Imagefilm beispielsweise ein Unternehmen, eine Institution oder ein bestimmtes Produkt. In der Regel soll dabei mit diversen dramaturgischen Mitteln ein positives Image nach außen vermittelt werden. So werden Imagefilme oft für Marketingzwecke eingesetzt. Trotz der werbenden Absicht eines Imagefilms, können diese aber nicht mit klassischen Werbefilmen gleichgesetzt werden. Die Intention eines Imagefilms ist nicht die direkte Bewerbung einer bestimmten Dienstleistung oder eines Produkts, sondern mehr die Porträtierung des Dienstleisters. Dabei soll der oder die Zuschauer/-in eine emotionale Bindung zum Unternehmen entwickeln.

Den Studierenden sollte auf dieser Grundlage erfahrbar gemacht werden, welche Mittel eingesetzt werden können, um die Abbildung von “Realität” zu beeinflussen. Diese Erkenntnis ist für jedes journalistische Arbeiten von großer Bedeutung, da Realität selten objektiv betrachtet wird. Dabei wurde stets betont, wie wichtig eine sowohl kritische, als auch tiefe Recherche für Journalist/-innen ist. Gerade weil ein Dokumentarfilm Wissen vermittelt, muss dieser auf Fakten basieren, damit er dem Anspruch des Qualitätsjournalismus gerecht wird.

Umgesetzt wurde der nachfolgende Imagefilm von Marten Laggai, Marten Ronneburg und der Assistenz René Pramanik. Protagonistinnen und Protagonisten sind die Studierenden Fabian Wollgast und Anna-Maria Renner, die Dozenten Klaus Dörries und Prof. John Kantara sowie Gründungspräsidentin der DEKRA | Hochschule für Medien, Dr. Nele Neubert.


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