Journalismus-Studierende bei Reporter ohne Grenzen

Wer hat nicht schon einmal als angehender Journalist oder Journalistin einen Blick auf die Reporter ohne Grenzen-Rangliste oder die entsprechende „Weltkarte“ geworfen, um mit Schrecken festzustellen, dass es weltweit nicht gut steht um die Pressefreiheit.

Journalismus-Studierende der DEKRA | Hochschule für Medien diskutieren mit Juliane Matthey, Pressereferentin bei Reporter ohne Grenzen e.V.

Es steht nicht gut um die Lage der Pressefreiheit in Europa

Die Reporter ohne Grenzen-Rangliste vergleicht die Situation für Journalist/-innen und Medien in 180 Staaten und Territorien. Grundlage dafür ist ein Fragebogen zu allen Aspekten unabhängiger journalistischer Arbeit sowie die von Reporter ohne Grenzen ermittelten Zahlen von Übergriffen, Gewalttaten und Haftstrafen gegen Journalisten.

Und die jüngsten Ergebnisse für 2018 belegen, dass sich in keiner anderen Weltregion die Lage der Pressefreiheit stärker verschlechtert hat als in Europa. Journalist/-innen sind dort durch Regierungen unter Druck gesetzt. Demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs stellen die Medienfreiheit zunehmend in Frage und versuchen gegen kritische Medien vorzugehen. Medienfeindliche Hetze sei somit auch in Europa längst staatliches Programm und nicht mehr nur auf repressive Regime außerhalb Europas beschränkt. Kurz vor den diesjährigen Europawahlen ist das ein zutiefst erschreckender Hinweis für die Studierenden, die erst jüngst den „War on Media“ in den USA wahrnehmen mussten.  

Die Aufgaben von Reporter ohne Grenzen

Die renommierte internationale Menschenrechtsorganisation dokumentiert Verstöße gegen die Presse- und Informationsfreiheit und alarmiert die Öffentlichkeit, wenn Journalisten und deren Mitarbeiter in Gefahr sind. Sie setzt sich für mehr Sicherheit und besseren Schutz von Journalist/-innen ein, kämpft online wie offline gegen Zensur, gegen den Einsatz sowie den Export von Überwachungstechnik und gegen restriktive Mediengesetze. Ein Nothilfereferat unterstützt zudem verfolgte Journalisten und ihre Familien. Seitens der Öffentlichkeitsarbeit organisiert man dazu Pressekonferenzen, Podiumsdiskussionen, Interviews und publiziere Jahresbilanzen.

Im Selbstprofil der Organisation heißt es, der Schwerpunkt der Arbeit liege auf der Hilfe in den Herkunftsländern der Betroffenen. Ziel sei es, Betroffenen so zu helfen, dass sie ihre journalistische Tätigkeit weiterführen oder wieder aufnehmen können. „Reporter ohne Grenzen ersetzt zerstörte oder beschlagnahmte Ausrüstung, übernimmt Anwaltskosten und hinterlegt Kautionen zur Haftverschonung. Nach Misshandlungen oder Anschlägen ermöglicht Reporter ohne Grenzen bedrohten Journalisten eine medizinische Behandlung. Bei Arbeitsverbot oder Entlassung sorgen wir für eine finanzielle Überbrückung und unterstützt die Angehörigen.“

Reporter ohne Grenzen - auch aktiv für die Pressefreiheit im Netz

 Außerdem listet/zeigt Reporter ohne Grenzen zensierte Webseiten und klärt verfolgte Journalist/-innen über Datenschutz auf. Wenn es für Journalisten oder ihre Mitarbeiter lebensgefährlich ist, in ihrem Heimatland zu bleiben, bemühe man sich sogar, ein sicheres Aufnahmeland zu finden.

Seit 1994 ist die deutsche Sektion von Berlin aus aktiv. Der Verein Reporter ohne Grenzen e.V. ist Teil der 1985 gegründeten internationalen Organisation Reporters sans frontières mit Hauptsitz in Paris. Ein Netzwerk aus weltweit 150 Korrespondentinnen und Korrespondenten sowie Sektionen und Büros in Belgien, Brasilien, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Österreich, Schweden, der Schweiz, Spanien, Taiwan, Tunesien und den USA, sowie zukünftig auch im Senegal, beobachtet die jeweilige Situation in den Ländern und sammelt verlässliche Informationen. Reporter ohne Grenzen e.V. finanziert sich hauptsächlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

Nach dem Gespräch und angeregter Diskussion gingen die Journalismus-Studierenden der DEKRA | Hochschule für Medien mit einem ambivalenten Gefühl nach Hause:  Froh darüber, dass es Reporter ohne Grenzen gibt, gleichsam erschüttert über das Ausmaß der Einschränkungen der Informations-, Meinungs- und Pressefreiheit.

Ein Dankeschön für die interessante Diskussion geht an Juliane Matthey.


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