Interview mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger zu medialen Gewaltdarstellungen

Film und Fernsehen Professor Dr. Marcus Stiglegger gab der Zeitschrift TV Diskurs ein Interview zum Gewaltdiskurs in aktuellen TV und Medienformaten. Dabei ging es vor allem um Dystopien, die Zukunftsvisionen mit negativen Gesellschaftsentwürfen präsentieren und dabei explizite Gewaltdarstellungen einbeziehen.

Printausgabe tv diskurs: 22. Jg., 1/2018

Film und Fernsehen Professor Dr. Marcus Stiglegger gab der Zeitschrift TV Diskurs ein Interview zum Gewaltdiskurs in aktuellen TV und Medienformaten. Dabei ging es vor allem um Dystopien, die Zukunftsvisionen mit negativen Gesellschaftsentwürfen präsentieren und dabei explizite Gewaltdarstellungen einbeziehen.

Ausgehend von der Beobachtung, dass solche medialen Gewaltdarstellungen immer drastischer und expliziter werden und sich somit auch deren Rezeptionshaltung verändert haben muss, sprach er über aktuelle US-Serien wie „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“ und deren jugendaffinen Charakter. Politischer Einsatz von Gewaltästhetik wurde ebenfalls diskutiert, da auch dieser vorherrschende Filmdiskurse prägt und besonders jugendliche Betrachtende beeinflussen kann.

Gewalt, so Stiglegger, müsse immer das Potenzial bieten zu ängstigen und zu beklemmen. Eine angstfreie Darstellung von Gewalt halte er für gefährlich, da sie Gewalt unreflektiert befürworte und als unbedenklich einstufe. Somit sei es auch wenig sinnvoll, sich einer Konfrontation mit Gewalt in den Medien entziehen zu wollen, da sie immer auch eine Chance zur konstruktiven Auseinandersetzung berge, die besonders für Jugendliche wichtig sei. Denn, so Stiglegger weiter, zu den gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen gehören Phänomene wie das Scheitern demokratischer Systeme, Macht und Machtmissbrauch oder Ausbeutungsstrukturen. Diese gesellschaftspolitischen Probleme würden in der Kunst in übersteigerter Form reflektiert, sodass  eine reflexion angeregt würde. Dies wiederum gebe auch Möglichkeit einer Revolte, eines Aufstandes gegen soziopolitische Missstände.

TV-Diskurs schreibt zur Thematik Gewalt in den Medien

"Dystopien zeigen, was nie passieren darf, und fordern so zu einer moralischen Auseinandersetzung auf. In der Prüfpraxis stellt sich die Frage, wie Gewaltszenen unter Berücksichtigung des jugendaffinen Charakters dieser Formate zu bewerten sind. tv diskurs sprach mit dem Film- und Kulturwissenschaftler Dr. Marcus Stiglegger, Vizepräsident und Professor für Fernsehen und Film an der DEKRA Hochschule für Medien in Berlin, über eine veränderte Gewaltästhetik und monströse Körperzerstörungen als Metaphern der Pubertät." In diesem Kontext ist nicht nur das  komplette Interview online bei TV Diskurs zu finden, es kann dort auch als Podcast angehört werden.

Zur Person Marcus Stiglegger

Prof. Dr. Marcus Stiglegger gehört seit dem Jahr 2015 zum Team der DEKRA | Hochschule und bekleidet das Amt des Vizepräsidenten. darüber hinaus unterrichtet er im Studiengang Film und Fernsehen sowie Schauspiel und Inszenierung. Er publiziert seit Jahrzehnten in den Bereichen Film- und Medienwissenschaft sowie Populär- und Subkultur. Stiglegger schreibt regelmäßig für die Filmzeitschriften film-dienst und Epd Film sowie das Poptheorie-Magazin Testcard. Seit 2002 ist er Gründer und Herausgeber des Kulturmagazins :Ikonen: - Zeitschrift für Kunst, Kultur und Lebensart mit Sitz in Wiesbaden. Er ist Mitherausgeber und Redakteur der Onlinezeitschrift Rock and Pop in the Movies sowie Kolumnist für die Filmzeitschrift Deadline. Gelegentlich ist er auch als Drehbuchautor tätig. In dieser Eigenschaft schrieb er zusammen mit Bernd Kiefer das Drehbuch zu Der Fahnder: Auge um Auge. Seine Essays zum Thema Film wurden unter anderem regelmäßig in der deutschen Filmzeitschrift Splatting Image und in Ausgaben des film-dienstes veröffentlicht.


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