Filmwissenschaft und Psychoanalyse im Dialog

Filmprofessor Dr. Marcus Stiglegger diskutierte in München den Filmklassiker des italienischen Regisseurs Michelangelo Antonioni BLOW UP mit der Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse e.V. (MAP).

Filmprofessor Dr. Marcus Stiglegger diskutierte in München den Filmklassiker BLOW UP mit der Arbeitsgemeinschaft für Pychoanalyse e.V. Ansicht des Veranstaltungsortes Neu Rottmann Kino.

Am Freitag, den 20. Juli 2018, wurde Filmprofessor Dr. Marcus Stiglegger von der Münchener Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse e.V. (MAP) ins Neu Rottmann Kino eingeladen. Dort analysierte der Filmwissenschaftler in einem einstünden Vortrag den Film BLOW UP vor einem psychoanalytischen Hintergrund. Im Anschluss  wurden Film und Vortrag interdisziplinär diskutiert. Stiglegger ist Professor im Studiengang Film und Fernsehen und Vizepräsident der DEKRA | Hochschule für Medien und hat bisher mehr als 25 Herausgeberschaften und Monografien im Bereich der Film- und Populärwissenschaften zu verzeichnen. Seit dem Jahr 2015 ist er im Team der Hochschule tätig, zuvor lehrte er an den Universitäten Mainz und Siegen.

Der Film BLOW UP (1966) des italienischen Regisseurs Michelangelo Antonioni erzählt die Geschichte des Modefotografen Thomas in den Londoner Swinging Sixties. Auf der Suche nach Motiven entwickelt er in der Dunkelkammer Fotografien, auf denen er Hinweise auf ein Gewaltverbrechen entdeckt. Als er dem nachgehen will, verschwinden Spuren und Indizien, die Grenzen zwischen Abbild und Wahrgenommenem, Fantasie und Realität verwischen zusehends. Beim Versuch der Klärung durchläuft der Protagonist eine Entwicklung. Er gibt seine narzisstisch egozentrierte Position auf und erkennt  – ähnlich einem psychoanalytischen Prozess -, dass seine Wirklichkeit nicht absolut gesetzt, sondern etwas mit anderen gemeinsam Geteiltes ist.

BLOW UP ist nicht nur ein Kultfilm, sondern erlangte filmwissenschaftlich internationale Bedeutung. Er wurde als Antonionis kommerziell erfolgreichster Film zweimal für den Oscar und einmal für den Golden Globe nominiert und gewann den Grand Prix in Cannes. Stiglegger stellte in seinem Vortrag nicht nur die Zusammenhänge zwischen Psychoanalyse und Film heraus, sondern wandte dieses auch anschaulich auf spezifische Momente im Film an, sodass  die Ausführungen auch für fachfremde Gäste nachvollziehbar waren.

Die Veranstaltung war mit über 100 Gästen nahezu ausverkauft und wird zukünftig zweifellos mit des Diskussion eines  Films erneut stattfinden. Vielleicht ist unser Film und Fernsehen Professor dann ebenfalls wieder dabei.

Über die Münchener Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse e.V.

Die Münchener Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse e.V. ist ein psychoanalytisches Institut, das sich der Aufgabe widmet, Ort eines lebendigen und offenen Diskurses zu sein. Mit öffentlichen Vorträgen, Tagungen und Symposien wendet sich die MAP an Kolleginnen und Kollegen ebenso wie an die fachlich interessierte Öffentlichkeit und bietet ein reichhaltiges Programm zur Fort- und Weiterbildung an. Über die Institutsgrenzen hinaus wird der kollegiale Austausch mit anderen psychoanalytischen Instituten sowie mit Hochschulen und klinischen Einrichtungen gesucht und gepflegt. Seit vielen Jahren besteht eine enge Kooperation mit dem C.G. Jung-Institut München und 2010 hat sich die MAP mit anderen Münchner DGPT-Instituten zum Psychoanalytischen Forum München (PFM) zusammengeschlossen.

Die MAP hat sich der Entwicklung verpflichtet, was Behutsamkeit im persönlichen, kollegialen, therapeutischen und politischen Umfeld verlangt. Sie tritt dafür ein, gemeinsam die Bedeutung von innerseelischem Erleben und zwischenmenschlichen Dynamiken zu ergründen und zu verstehen. Sie lässt sich daran messen, ob Entwicklungsräume, die geschaffen werden, der freien und lebendigen Entfaltung dienlich sind und vor Machtmissbrauch und Unterdrückung in jeglicher Form schützen. Alle Institutsstrukturen und -prozesse sind dabei möglichst demokratisch und transparent. (Quelle: www.psychoanalyse-map.de/institut/index.php)


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