Anna Kalkowski

Anna Kalkowski ist nicht nur besonders multitaskingfähig, auch als Regisseurin hat sie bereits Erfahrung gesammelt. Im Interview erzählt sie von ihrem spannenden Alltag beim Drehen und ihren vielfältigen Aufgaben.

Anna Kalkowski, Studentin der DEKRA | Hochschule für Medien Studiengang Film und Fernsehen, hat bereits während des Studiums als Regisseurin hat sie bereits Erfahrung gesammelt. Im Interview erzählt sie von ihrem spannenden Alltag beim Drehen und ihren vielfältigen Aufgaben.

Interview von: Delia Roscher und Milica Nikolic

Was macht ein/e Script/Continuity genau?

Als Continuity bereite ich das Drehbuch vor, ich studiere es von vorne bis hinten bezüglich der Anschlüsse innerhalb und zwischen den Szenen, auf die ich dann am Set zu achten habe. Das betrifft besonders die Bereiche Ausstattung, Kostüm, Maske und Requisiten. Ich muss beispielsweise darauf achten, wo sich welcher Gegenstand zu welchem Zeitpunkt im Drehbuch befindet und das auch am Set immer wieder auf eine logische Richtigkeit überprüfen. Außerdem kommen während des Drehs noch Bewegungsanschlüsse der SchauspielerInnen dazu, Blickachsen, Vermeidung von Achsensprüngen… Ach, es gibt so viel, was ich machen muss (lacht). Ich sitze die ganze Zeit neben der Regie und sehe mir alles auf dem Monitor oder auch live an, schreibe währenddessen noch Cutterberichte und achte eben darauf, dass am Ende im Schnitt alles funktioniert.

Das heißt, Du bist fest angestellt als Continuity?

Das bin ich noch nicht, ich versuche erst als Continuity Fuß zu fassen. Ich bin seit einem Jahr dabei, kleinere Projekte in diesem Bereich zu machen. Im Sommer 2016 habe ich meinen ersten langen Film als eigenständige Continuity gemacht, davor ein paar Kurzfilme. Es war total aufregend! Gerade gestern war der letzte Drehtag vom DFFB Vordiplom-Film, bei dem ich momentan mit dabei bin.

Wie bist Du auf darauf gekommen? Hast Du während dem Studium schon mal davon gehört?

Genau, das war beim Seminar „Medienpraxis/Film“. Wir drehten einen Kurzfilm und ich war Continuity. Damals hatte ich noch überhaupt keine Ahnung was das ist, fand es aber total spannend und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nach dem Studium musste ich immer wieder daran zurückdenken. Ich machte ein Praktikum bei einem ARD-Spielfilm und da habe ich gemerkt, dass es genau mein Ding ist (lacht).

Du bist aber als Continuity für sehr viele Bereiche zuständig, ist das nicht ganz schön anstrengend?

Total, ja! Ich muss wirklich so ziemlich alles im Blick haben und die Übersicht über alle Departments behalten.

Vor welcher großen Herausforderung standest Du denn bereits als Continuity?

Bei meinem ersten langen Film, den ich alleine nach meinem Praktikum gemacht habe, war ich mir teilweise unsicher, ob ich das wirklich richtig mache. Ich arbeite als Continuity komplett eigenständig und alleine und deswegen konnte ich mich mit niemandem richtig besprechen. Es gibt ein paar Bücher, aus denen ich lernen konnte, aber zum großen Teil habe ich es mir selbst beigebracht. Die Regisseurin von dem Film war selbst sieben Jahre Continuity und konnte mir dabei helfen. Bei diesem Dreh habe ich jeden Tag immer mehr gelernt und meine eigenen Systeme entwickelt. Man muss viele Dinge schriftlich festhalten und sich zum Beispiel eigene Kürzel ausdenken.

Hast Du Dich durch das Studium gut vorbereitet gefühlt?

Das ist eine schwere Frage, da der Bereich Script/Continuity nicht direkt im Lehrplan integriert war. Ich habe mich in den drei Jahren des Studiums Film und Fernsehen selbst sehr entwickelt und diese Zeit auch genutzt, um heraus zu finden, was mir liegt. Ich habe versucht alles aufzunehmen was geht und daraus meine persönlichen Stärken zu entwickeln. Der Freiraum der einem in diesem Studium gegeben wurde, hat mich sehr bestärkt. Es waren immer Dozenten/innen da, die einem helfen konnten.

Du hattest gesagt, Du hast noch andere Projekte und eigene Filme gemacht. Hast Du diese schon veröffentlicht?

Nein, den Abschlussfilm reiche ich gerade bei mehreren Festivals ein. Der wird sehr wahrscheinlich dieses Jahr beim Internationalen Kurzfilmfestival in Detmold zu sehen sein.

In welche Richtung gehen denn Deine eigenen Filme ?

In „Liliput“ geht es zum Beispiel um die Vater-Tochter-Beziehung nach der Trennung der Eltern. Er ist eher ein minimalistischer Film, der sich mit den Gefühlen der Personen beschäftigt. Das Beziehungsgeflecht wird in diesem Kammerspiel durchleuchtet. Mich als Regisseurin interessieren Geschichten, die sehr nah an der Realität sind und sich mit den inneren Befindlichkeiten der Menschen befassen. Also eher in die Richtung Drama und Konfliktlösung.

Wo siehst du Dich in zehn Jahren? Hast Du konkrete Zukunftspläne?

In zehn Jahren … das ist eine lange Zeit (lacht). In den nächsten fünf Jahren sehe ich mich auf jeden Fall als Continutiy. Ich kann mir gut vorstellen, weiterhin eigene Projekte nebenbei zu machen, kleinere Filme. Und wenn es irgendwann wirklich so weit kommt, dann auch größere Filme als Regisseurin … klar! Warum nicht. Momentan bin ich aber ganz froh darüber, wie es läuft.

Hast Du einen Rat an für die zukünftigen Absolventen?

Ich glaube, es ist ganz wichtig, viel auszuprobieren und herauszufinden, was man wirklich möchte. Was einem von Herzen Spaß macht. Ich wünsche allen, dass sie genau das finden, so wie ich das im Bereich Continuity gefunden habe

 


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