Zwischen Nähe und Distanz

Medienpolitische Herausforderungen im Qualitätsjournalismus

Medienpolitische Herausforderungen im Qualitätsjournalismus

Im Rahmen des Seminars Medienpolitik und zusammen mit Prof. Dr. Annett Schulze waren die TV-Journalist/-innen 2013 am 26.08.2015 zu Gast im ZDF-Hauptstadtstudio. Begleitet wurden sie von Dr. Friederike Frach, die die Studierenden während des Pflichtpraktikums betreuen wird und Kontakte in die dort ansässigen Redaktionen der Talksendung „maybrit illner“ und des Morgenmagazins hat.

Medienpolitische Aspekte journalistischer Arbeit konnten bei dieser Exkursion mit dem erfahrenen Korrespondenten Frank Buchwald diskutiert werden. Buchwald arbeitet seit 2004 im Hauptstadtstudio und beschäftigt sich insbesondere mit finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen. Aufgrund seiner jahrelangen journalistischen Tätigkeit im Ausland ist er auch auf dem Gebiet der Außenpolitik Zuhause.

Nach einem Rundgang durch den Zollernhof, dem heutigen Sitz des ZDF-Hauptstadtstudios mitten in Berlin, und einem Abstecher in eines der Studios, hatten die angehenden TV-Journalist/-innen die Möglichkeit in einem Gespräch von dem beeindruckenden Erfahrungswissen Buchwalds zu profitieren. So diskutierten die Studierenden beispielsweise Fragen von Distanz und Nähe zwischen Politik und Journalismus. An zahlreichen Beispielen verdeutlichte Frank Buchwald, welche Aspekte in der praktischen Arbeit zu beachten seien. Dabei ging er u. a. darauf ein, dass es durchaus eine Rolle spielt, in welchem Staat man tätig ist. So war seine Erfahrung in Brasilien während des Wahlkampfes von Lula Anfang der 2000er-Jahre, dass ein deutscher Journalist es durchaus schwer hatte, einen Interviewtermin zu bekommen ? abhängig davon, welcher Stellenwert ausländischen Medien zugestanden wurde.

Neben dem Blick auf die journalistische Arbeit in unterschiedlichen politischen Systemen und zu unterschiedlichen Zeiten fragten die Studierenden auch nach den Arbeitsweisen im ZDF und der Organisation des Senders. So vertrat Frank Buchwald offensiv die Ansicht, dass erstens die Meinungen von Zuschauer/-innen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie dem ZDF sehr ernst genommen werden. Ethische Fragen, bspw. danach, welche Bilder die Journalist/-innen auswählen, waren bereits Diskussionsgegenstand des ZDF-Fernsehrates. Zweitens und danach gefragt, welche Konsequenzen das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 25. März 2014 hinsichtlich der Begrenzung staatlicher und staatsnaher Mitglieder im Fernsehrat, stellte Buchwald dar, dass sich das Urteil in der Umsetzung befände. Er betonte jedoch auch, dass er den Grundsatz von Lobbyarbeit, verstanden als ein „Argumentieren für die eigene Sache“ und damit auch als „politische Arbeit“ richtig und wichtig für eine und in einer Demokratie fände.

Mit dieser Frage sind Qualitätsstandards im journalistischen Arbeiten verbunden. Buchwald vertrat klar die Ansicht, dass Journalist/-innen die Expert/-innen für den Inhalt seien: „Geschichten müssen reif sein, um erzählt zu werden.“ Diese Reife kann nur über eine umfassende Recherche sichergestellt werden. Das sei „zeitlos“.

Nach gut zwei Stunden waren die Studierenden sowohl beeindruckt von den geteilten Erfahrungen, insbesondere im Ausland, als auch von den Argumentationskünsten Frank Buchwalds. Beides, so mein Eindruck, bereicherte unsere weiteren Diskussionen im Seminar nachhaltig.


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