"Klimaschutz kostet nicht die Welt, aber er kostet – und was ist gerecht?"

Gastvortrag von Dr. Sonja Peterson vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Zu dieser schwierigen Frage hat Dr. Sonja Peterson vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel mit Studierenden der DEKRA Hochschule über Klimaökonomie und Herausforderungen für die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Paris Ende 2015 diskutiert.

Der Gastvortrag fand in Vorbereitung zu einem gemeinsamen Projekt mit dem Deutschen Klima Konsortium statt, in dem Studierende der DEKRA Hochschule das politische Pre-Briefing zur Paris-Konferenz am 12. November im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland kommunikativ unterstützen und begleiten werden. 

Klimaschutz betrifft uns alle

Die erneuerbaren Energien nehmen bereits ein Viertel unseres gesamten Energiehaushaltes ein. Das hat die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Instituts für Weltwirtschaft, Dr. Sonja Peterson, mit Gewissheit sagen können.

Dieser Fortschritt ist neben Erwähnungen einiger allgemeiner Zielsetzungen der G7-Staaten, die beispielsweise die Senkung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius beinhalten, die einzigen positiven Punkte, die die 42-jährige während ihres Vortrages an der DEKRA | Hochschule für Medien am 22.06.2015 anbringen konnte. Extra aus Kiel angereist, brachte sie einer Studentengruppe umfassende Inhalte zum Thema "Internationale Verteilung von Kosten und Nutzen des Klimaschutzes" nah und erklärte sich im Anschluss zu einer themenabrundenden Diskussion bereit.

Dass die großen Industrieländer USA oder Russland primär verantwortlich für unsere hohen Treibhausgasemissionen sind, ist schnell nachvollziehbar. Dass allerdings Schwellenländer wie Indonesien oder Brasilien bald sogar die Hauptverantwortung für  die Steigerung der CO2-Emissionen tragen können, lässt das gesamte Klimaschutzproblem schlagartig größer im Bewusstsein der Studenten werden. Das Wachstum der Treibhausgasemissionen würde überproportional ansteigen und neben den Industrieländern auch noch von jetzt aufstrebenden Schwellenländern zu verantworten sein, so Peterson.

Generell sei es "sehr schwer, diese Emissionen niedrig zu halten", erklärt sie, denn schließlich ginge ein "hohes wirtschaftliches Niveau" heutzutage immer mit einem hohen Ausstoß an CO2 einher. Das hieße, je fortschrittlicher unsere wirtschaftliche Welt zukünftig würde, desto höher und fataler würden die Treibhausgasemissionen ansteigen und desto schlimmer erginge es der Gesundheit unserer Erde.

Handfeste Prognosen könne man in der Hinsicht allerdings nicht stellen. Alle wissenschaftlich entwickelten Modelle zum Thema Klimaschutz seien lediglich Schätzungen einiger Wissenschaftler, die das Verhalten der heutigen Wirtschaft aspektbezogen weiterlaufen lassen und so ihre Schlüsse ziehen. Das Problem liege hier bei der Vielzahl an unterschiedlichen Modellen, deren Augenmerk immer auf einem anderen relevanten Detail  liege und dadurch stetig verschiedene Ergebnisse erzielt würden. Sicherlich wäre es sinnvoll, die bisher gesammelten Ergebnisse aus allen bestehenden Modellen zusammenzulegen, um so ein einheitliches Bild herzustellen.

Besonders in Hinblick auf den möglichen Schaden, der durch die anthropogene Klimaveränderung zukünftig hervorgerufen werden könne, sei es sehr schwierig, genaue Ermittlungen anzustellen, da die meisten Modelle nicht so weit in die Zukunft reichten und daher der gesamte Klimaschaden ein relativ unberechenbarer, problematischer Aspekt bleibe.

Sicher sagen könne man allerdings, dass die Entwicklungsländer wie zum Beispiel Afrika und Asien den größten Schaden davon tragen würden. Bereits heutzutage sehen sich diese armen Länder mit weitreichenden Problemen konfrontiert, die durch die hohen Treibhausgasemissionen der Industriemächte hervorgerufen werden.

Daher sei es von so hoher Priorität, in Sachen Klimaschutz aktiv zu werden und nachhaltig etwas zu verändern. In der anschließenden Diskussionsrunde mit den Studenten der DEKRA Hochschule kommt der Gedanke auf, dass die Verbesserung des Klimas und die Initiative zum Rückgang der CO2-Emissionen im Bewusstsein eines jeden Menschen beginnen sollte. Denn nur wenn die Problematik und die möglichen Lösungsansätze für wirklich jeden greifbar wären, wäre die Voraussetzung gegeben, unser Klima effektiv schützen und unsere Energie effizienter nutzen zu können. Allerdings "ginge das alles nicht von selbst", argumentierte Dr. Peterson, denn für jede gesellschaftliche Änderung und für jede "Gewohnheitsänderung sei ein politischer Rahmen erforderlich". Dieser politische Rahmen wird hoffentlich bei der UN-Klimakonferenz in Paris im November dieses Jahres geschaffen und wirksam.
Wenn wir unsere Erde mit all ihren natürlichen Ressourcen und Gegebenheiten erhalten und allen Menschen ein menschenwürdiges, gesundes Leben ermöglichen wollen, müssten unsere CO2-Emissionen im Jahr 2030 auf dem Stand angelangt sein, den wir im Jahr 1990 zu verzeichnen hatten. Das entspricht einer Senkung der bisherigen Emissionen um 35 bis 55 Prozent. Um diesen enormen Sprung wirklich erreichen zu können, muss die gesamte Problematik zuerst das Bewusstsein jedes Einzelnen wirklich erreichen.

Von Carolyn Pliquet


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